Posts Tagged: Inspiration

Vom Umgang mit den Zweifeln

Ich bin von Geburt an eine wahre Königin der Zweifel. Ach was – eine Kaiserin. Mit der größten Funkelglitzerzweifelkrone, die in diesem Universum erhältlich war. Was auch immer jemand an meiner Kunst oder meinen Büchern kritisiert – es kann davon ausgegangen werden, dass ich diese Kritik vorher selbst gegen mich angebracht habe … Und im Zuge dessen zu stellenweise vernichtenden Urteilen kam. Da fragt man sich doch, warum ich trotzdem weitermache, oder? Was treibt einen an? Welche Kraft steckt dahinter? Wieso tut man sich das an, wenn man es doch so viel leichter haben könnte?

Weil Kreativität stärker ist. Sie gewinnt immer. Man muss sie nur lassen … (Das Bild links ist übrigens der aktuellste Beweis für wildgewordene Zweifel. Es zeigte einmal einen Nachtgarten mit weißen Blüten. Diese Blüten waren aber – so zumindest mein innerer Zweifler – absolut nicht gut genug. Auch nicht nach dem fünften Versuch. Und so sieht man hier eine Leinwand, die darauf wartet, dass mein in Bezug auf weiße Blüten angeknackstes Kompetenzgefühl sich wieder aus der Reserve wagt …)

Entwurf ...Zweifeln ist eine ebenso wertvolle wie lästige Angewohnheit – es kommt schlicht und einfach darauf an, wie man damit umgeht. Zweifler reflektieren mehr, sind offen für Weiterentwicklung, lernen ständig dazu. Menschen ohne jeden Zweifel hingegen sind (meiner Meinung nach) absolut unerträglich. Ohne Zweifel erfolgt kein Fortschritt, kein Wagnis, kein Sich-Selbst-Herausfordern. Man ist sich mit dem, was man kann und von sich hält, mehr als genug. Warum sollte dann noch Neues entstehen? Was sollte sich entwickeln? Trotzdem ist das kein Freibrief für hemmungsloses Zweifeln. Zweifel lähmen, wo doch eigentlich etwas vorangehen sollte. Zweifel blockieren Schönheit, Freiheit, Expansion. Und Zweifel untergraben systematisch Selbstwert, wenn man ihnen zu viel Auslauf gewährt.

Ich habe mir angewöhnt, meine Zweifel als Anlass zu sehen, stets noch ein wenig besser zu werden als zuvor. Das gelingt nicht immer, aber die Haltung zählt. Für produktive Kritik bin ich dankbar und gegen Kritik unterhalb der Gürtellinie gab mir ein weiser Mensch einmal einen sehr hilfreichen Hinweis: „Nimm nur Kritik von jemandem an, der es auf dem Gebiet, in dem er dich kritisiert, zu mehr gebracht hat als du selbst.“

Ja. Es kann so einfach sein. Übrigens unterziehe ich auch meine Zweifel inzwischen dieser Feuerprobe. Und solange diese Zweifel nicht überzeugendere Bücher schreiben und ausdrucksvollere Bilder malen als ich selbst, erlaube ich uns höchstens einen Disput auf Augenhöhe. Während ich weiter daran arbeite, besser zu werden. Momentan im weiten Feld weißer Blüten …

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Ein kalter Regentag. Ein stilles Inneres. Ein Blumenbild aus der Nacht.

Heute war der erste kalte Regentag dieses Herbstes. Während triste Bindfäden vom Berliner Himmel fielen und in meiner Küche eine Chet Baker-Platte lief, saß ich gegen Mittag mit einer Tasse Jasmintee am Fenster und überlegte, wie ich diesen Mittwoch am besten nutzen könnte.

Für mich ist Regen ein Geschenk. Er lässt die Stadt still werden und verschleiert die Dringlichkeit der alltäglichen Dinge. Bei Regen werde ich innerlich absolut ruhig. Das hat definitiv auch Auswirkungen auf die Bilder, die an solchen Tagen entstehen. Heute war es ein Acrylbild mit einem Blumenmotiv, das ich seit letzter Nacht im Kopf hatte. Die Serie über die nächtlichen Gärten beschäftigt mich und so ist wohl auch zu erklären, dass ich in der vergangenen Nacht träumend in einen solchen verwilderten Garten hineingeriet.

Ich habe versucht, die Eindrücke des Traumes in diesem Bild einzufangen und es während des Malens wirklich genossen, mit den dunklen, satten Farben zu spielen. Wieder einmal bestätigt sich für mich, dass Bilder aus allen möglichen Inspirationsquellen schöpfen. In diesem Fall war es eben ein Traum, in dem Pfingstrosen eine Rolle spielten.

Blumen gehören eigentlich nicht zu meinem bevorzugten Repertoire, aber mir hat das heute eine große innere Freude bereitet. Das Bild entstand (wie so oft bei mir) mit dem Malmesser. Ich mag die rasche Art, in der man damit arbeiten kann, das flächige Ausbreiten und die mehr oder weniger groben Strukturen, die dynamisch im Bild entstehen. Und ich bin wirklich sehr gespannt, wohin mich die Reise mit dieser Nachtgartenserie noch führt. Vielleicht verrät ja einer der nächsten Träume mehr …

Peonies at night. Acryl auf Leinwand. 50cm x 50cm. © Claire Marin, 2015.

Peonies at night. Acryl auf Leinwand. 50cm x 50cm. © Claire Marin, 2015.

 

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Inspiration / Getting inspired

Claire? Was inspiriert dich? Woher nimmst du die Ideen für deine Bilder?

Frau im Bad. Claire Marin, 2015.

Frau im Bad. Öl auf Leinwandkarton. ©Claire Marin, 2015.

Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung. Ich setze mich nicht hin und fange an zu grübeln, zu welchem Thema ich ein Bild malen könnte. Es geschieht eher zufällig. Mir begegnet im Lauf des Tages ein Erlebnis oder eine Stimmung, manchmal sind es Personen auf der Straße, zu denen mir Geschichten einfallen oder auch eine inspirierende Fotografie, deren Atmosphäre mich beeindruckt. Es kann auch ein Satz sein, der in einem Buch steht oder in der Zeitung, eine Unterhaltung, die ich in der U-Bahn mitbekomme oder die Erinnerung an eine Begebenheit in meinem Leben, die plötzlich wieder ganz präsent ist und nach Ausdruck auf der Leinwand sucht. Spaziergänge helfen mir dabei, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Am besten funktioniert das für mich am Meer. Kurz gesagt: Alles, was mich bewegt, kann zu einem Bild werden. Und eines ist ganz sicher: Keines meiner Bilder entsteht, ohne dass mein Herzblut mit in die Farben fließt.


Claire? What inspires you? Where do you get the ideas for your paintings?

Honestly? I have no idea. I do not sit down and start to ruminate what I want to paint. It happens by chance. Often I find inspiration in everyday situations, in a mood, listening to people on the street, I get inspired through stories or photographies. Atmospheres do impress me. Sometimes I read an inspiring quote in a book or a newspaper, or I think a conversation in the subway is quite interestering.

Often I deal with memories, which find their way onto canvas. I love long walks at the beach to let my mind wander. Everything that moves me can become a painting – but none of my paintings is created without my heart’s blood.


 

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Piet Mondrian – Martin Gropius Bau Berlin

Ich wage kaum, es zuzugeben, aber ich habe es noch immer nicht geschafft, mir diese Ausstellung anzusehen. Aber bald. Ganz bald. Piet Mondrian ist einer der Maler, die ich wirklich bewundere und ich kann es kaum erwarten, seine Bilder aus der Nähe zu betrachten. Sie beruhigen mich, die klaren, zurückgenommenen Strukturen sind für mich pure Erholung. Ich könnte stundenlang einfach nur Linien betrachten, klar abgegrenzte Felder, schlicht nebeneinandergestellte Farben. Hier ein kleiner Vorgeschmack. Ich werde berichten, wie es mir gefallen hat.

I was exhited when I heard about the Piet Mondrian exhibition in Berlin – shame on me I didn’t visit it yet … But I will! Soon, very soon! I absolutely love Mondrians works, his paintings sooth me. Pure structure, clean colours – it’s like a getaway. I could watch those paintings for hours without getting bored for a second. It’s fascinating. I will write a blogpost after having visited the exhibition. Promised :-)

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Bilder, die mich inspirieren / Inspiring paintings

Es gibt Bilder, an denen kann ich mich nicht sattsehen. Viele von ihnen kenne ich nur von Abbildungen und es wäre ein großer Wunsch, sie einmal real zu sehen. Aus der Nähe zu betrachten, wie der Maler die Farben gemischt hat, wie der Pinsel geführt wurde, welche Dynamik sich in der Arbeitsweise versteckt. Doch auch ohne diese Feinheiten kann ich mich begeistern. In der Reihe „Bilder, die mich inspieren“, stelle ich euch immer wieder einmal eines der Bilder vor. Vielleicht sind es nicht die wichtigsten Werke der Kunstgeschichte – aber das ist mir egal. Es sind Bilder, die etwas in mir berühren, die eine Saite zum klingen bringen oder die mich dazu anregen, etwas Neues auszuprobieren. Ich bin reine Autodidaktin, das heißt, ich habe weder eine Kunstakademie besucht noch jemals Malunterricht genommen. Alles, was entsteht, entspringt reiner Intuition und dem Wunsch, auf Papier oder Leinwand zu bringen, was aus meinem Inneren ans Licht möchte. Für mich ist es wichtig, mich mit Bildern von Meistern aus allen Epochen zu beschäftigen. Ich lerne unglaublich viel durch Sehen, durch Spüren, durch pures Wahrnehmen. Vielleicht ist es das, was meine Bilder dann wiederum auch für anderen Menschen interessant macht. Es ist eine Verständigung jenseits der Logik.

Delaunay FenetresHeute stelle ich euch den Ausschnitt eines Bildes vor, das mich vor allem durch Farbkomposition, Transparenz und Dynamik in seinen Bann zieht. Robert Delaunay hat es im Jahr 1912 gemalt, es trägt den Titel Les Fenêtres simultanées sur la ville.

Delaunay hat in unzählige Male die Stadt als Motiv genutzt. In seinen Fensterbildern findet sich immer wieder Paris. Man blickt auf das Gemälde und wird eingeladen, wie durch die Spiegelungen in einer Fensterscheibe zu entdecken, was sich abbildet. In diesem Auschnitt verbirgt sich – wie so oft bei Delaunay – der Eiffeltum; und zugleich eine wunderbare Farbstudie.

Bilder von Delaunay wirken auf mich oftmals, als würde ich durch ein Kaleidoskop blicken. Eigenlich bekanntes wird durch Reflektionen, Spiegelungen und schillernde Farben zu einer bunten Schatzkiste voller Wunderwelten. Man wandelt durch ein lichtdurchflutetes Paris, in dem sich Robert Delaunay vor dem Ersten Weltkrieg seinen malerischen Experimenten widmete, wird förmlich hineingezogen in die Farben, die er gegeneinanderstellt, damit sie sich gegenseitig verstärken, und dann wieder besänftigt durch die wunderschöne Transparenz.

Könnte ich in der Zeit reisen, würde ich Robert Delaunay gerne auf einen guten Rotwein treffen und ihm unzählige Fragen zu seinen Arbeiten stellen. So bleibt mir nur, es still staunend vor seinen Bildern zu tun …

Übrigens – mein Portfolio ist auch nur einen Klick entfernt. Wirf doch einen Blick auf meine Bilder und lass mich wissen, wie sie dir gefallen.


Some paintings are pure inspiration. I have this great desire to look at many of them in a museum. I want to look up close, explore how the painter mixed the colors, how he used the brush. But even without knowing these nuances, the paintings are lovely.

In the series „Inspiring paintings“ I want to present some of the paintings I like most. Perhaps the ones I love are not the most important work in the history of art – but it doesn’t matter. I want to write about paintings that touch something inside of me, encourage me to try something new. As a painter, I am pure autodidact. I never went to an art academy, ever took painting lessons. Everything I do is intuition. I create, because I feel. But for me it’s really important to study paintings from all eras. I learn an incredible amount by seeing, by sensing, by perception. Maybe that’s what makes my pictures interesting for people who do also understand this world by feeling it. There is an understanding beyond logic.

Today I want to write about the detail of a painting that attracts me especially through color composition, transparency and dynamics. Robert Delaunay painted it in 1912, it bears the title Les Fenêtres simultanées sur la ville. Robert Delaunay often painted Paris – and that’s what he did in his window paintings. One feels invited to discover how – through reflections in a window – the city reproduces itself. In this excerpt the „Tour Eiffel“ is hidden; and at the same time this work is a wonderful study of how Delaunay used colours.

Delaunays Paintings often make me feel like looking through a kaleidoscope. Familiar things seem beautifully strange because of the reflections and the iridescent colours. fIt’s like walking through a light-filled Paris, where Robert Delaunay experimented as a painter before the First World War. One gets involved immediately because of the colors, which reinforce each other, and gets soothed through the transparency in his paintings.

Could I travel in time, I would like to meet Robert Delaunay, drink red wine and ask him many questions about his work. Because I’m not a time traveller yet, I have to do this in front of his paintings …

By the way – my Portfolio is only a click away. Take a look at my paintings and tell me how you like them.

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Inspiration, Spaziergänge, Fragen / Inspiration, Berlin walks, Questions

2014-11-02 12.16.01Im Moment male ich wenig und betrachte umso mehr die Welt. Ich kann Stunden damit verbringen, mich in großartige Bilder zu versenken. Robert Delaunay hat es mir gerade angetan, Lionel Feininger noch immer und Mark Rothko bleibt eine alte Liebe. Ich schlendere durch Berlin und lasse mich nach Lust und Laune in kleine Galerien schwemmen, die ich noch nicht kenne und in denen sich mancher inspirierende Schatz finden lässt. Mich fasziniert, wie unterschiedlich Künstler arbeiten und ich frage mich mehr und mehr, woher dieser innere Ausdruck kommt. Wie entsteht etwas, das aus dem Inneren herausfließt? Durch was wird ausgelöst, was schließlich den Weg auf Leinwand oder Papier findet?


At the moment I paint little and spend more time thinking about art. I discovered the paintings of Robert Delaunay, whom I adore, the work of Lionel Feininger, who is stunning – and of course of Mark Rothko, who remains an old love. I stroll through Berlin and drift into small galleries, which I do not yet know, and in which many inspiring treasures can be found. I am fascinated how different artists work and I wonder more and more: where does this inner expression come from? What is happening inside an artist, so that the individual inner voice comes to life?

 

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