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Künstlerpech. Oder: Es kommt anders als gedacht

Wer mir auf Twitter folgt, wunderte sich vielleicht über meine neuesten Beiträge. Da ist die Rede von Flugumbuchungen (nervenaufreibendster Art!) bei Air Berlin, von (hingegen erfreulich einfachen) Wohnungsstornierungen bei Airbnb und generell von jeder Menge Unklarheit und Hin und Her. Hintergrund all dieser Aufregung:

The Kiss. Öl auf Leinwand, 2016. ©Claire Marin Für April dieses Jahres war eine Ausstellung meiner Bilder in München geplant. Ich war selig, denn an einen so wundervollen Ort wie die Galerie im Geranienhaus des Schlosses Nymphenburg kommt man auch nicht alle Tage.

Über ein halbes Jahr arbeitete ich auf diese Ausstellung hin, entwickelte Konzepte, kreierte und verwarf Bilder, experimentierte und schwankte – wie das eben so ist – permanent zwischen kreativen Höhen und Tiefen. Ich hatte eine schöne, aber auch sehr anstrengende Zeit, die ich in ihrer Intensität nicht missen möchte, die mir aber auch einiges abverlangt hat. Es gab Tage, an denen ich am liebsten alles hingeschmissen hätte, weil mir keines meiner Bilder einer Ausstellung würdig erschien. Momente, in denen mir jeder Muskel wehtat, weil ich alles um mich herum vergessen und es einfach komplett übertrieben hatte (ja, Malen ist anstrengend!) Und es gab Nächte, in denen ich wild von der Ausstellung träumte, weil sie sich so sehr in meinem Unterbewusstsein festgesetzt hatte, dass ich nicht einmal nachts aufhören konnte, darüber nachzudenken.

Der Januar kam, alle Ölbilder trockneten friedlich vor sich hin, Flug und Wohnung waren gebucht und ich begann, mich wirklich auf die Zeit in München zu freuen. Schließlich ist das für mich nicht einfach nur irgendein Ort, sondern mein früheres Zuhause. Ich habe von 1998 bis 2005 in München studiert und war sehr gespannt darauf, meine alte Studentenstadt wiederzusehen.

Hatte? War?

Richtig. Vor Kurzem erreichte mich die Nachricht, dass das Geranienhaus leider baufällig ist und sofort saniert werden muss. Alle Ausstellungen wurden gestrichen. Punkt.

Es ist sehr interessant, wie viel eine an sich unspektakuläre Nachricht innerlich zum Einsturz bringen kann. Ich brauchte ungefähr zwei Tage, um mich von dieser Meldung zu erholen und wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Nein, das alles ist natürlich kein Weltuntergang – aber für mich fühlte es sich kurzzeitig so an. Und ja, man kann die Termine verschieben (genau das wird passieren – meine Ausstellung findet voraussichtlich im Mai 2017 statt) – aber alles Herzblut, das ich in die Bilder gesteckt hatte, all die monatelange Arbeit, all die Vorfreude auf die Ausstellung an diesem wundervollen Ort – all das löste sich plötzlich in Nichtigkeit auf.

Mai 2017 ist eine halbe Ewigkeit entfernt. Bis dahin wird sich mein künstlerischer Stil gewandelt haben, ich werde Anderes entdeckt, Neues ausprobiert haben und die Bilder des Jetzt werden dann wahrscheinlich nicht mehr in die Ausstellung passen. Das ist das Schöne an der Kunst – sie ist im besten Fall ebenso im Fluss wie der Mensch, der sie aus sich heraus entwickelt. Und das ist das Schlechte an der Kunst – man kann sie nicht konservieren und einfach in einem Jahr wieder ausgraben. Nicht, wenn man möchte, dass eine Ausstellung jeweils den aktuellen persönlichen Entwicklungsstand zeigt. Was weiß denn ich, was mich in einem Jahr beschäftigt? Was mich umtreibt und dann den Weg auf die Leinwand finden möchte?

Es wird dann um eine andere Ausstellung gehen, um einen anderen Ausgangspunkt – und in den meisten Fällen wohl um andere Bilder. Welche es sein werden? Ich weiß es nicht. Wohin die Reise geht? Keine Ahnung. Aber vorerst geht die Reise nicht nach München, die Bilder bleiben im Berliner Blauen Salon und ich atme durch und behalte im Hinterkopf die Vorfreude auf das, was sich weiterentwickeln darf. Denn das wird es ja ohnehin. Manchmal nur eben ganz anders als gedacht.

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Meine Bilder im Berliner Restaurant „Begur“

Luz de limón, Restaurant Begur.Manchmal bringt der Zufall die schönsten Kooperationen … Und mich zudem in den Genuss der besten Zitronentarte, die ich jemals kosten durfte.

Worum geht es? Um die interessanten Wege der sozialen Netzwerke. In diesem Fall hat Twitter den Blauen Salon mit einem wunderbaren Restaurant zusammengebracht, dessen katalanische Küche ihr unbedingt einmal kosten solltet, wenn ihr in Berlin seid. Das „Begur“ liegt im angesagten Neuköllner Szenekiez und bietet neben tollen Weinen und gutem Kaffee wirklich hervorragendes Essen in schönem Ambiente. Was dem „Begur“ aber bis vor Kurzem noch fehlte, waren einige Bilder an den Wänden.

Und hier kam ich ins Spiel. Beim Atelierbesuch war die Entscheidung schnell gefallen. Es sollten großformatige Bilder sein, die an Meer und Feuer erinnern. Seaside IV und I see fire erwiesen sich als das perfekte Paar für eine der großen Wände des „Begur“. In Schattenfugen gerahmt machten sie sich auf den Weg und ergänzen seit einer Woche das Flair des Lokals auf ganz wunderbare Weise. Ich gebe zu, ich war begeistert von der Wirkung – und ich freue mich riesig, dass ich die Bilder dort zeigen und so auf meine Arbeiten aufmerksam machen darf. Sowohl Seaside IV als auch I see fire kann man übrigens noch kaufen.

Die Bilder werden in Kürze noch Gesellschaft durch ein Ölbild von mir bekommen, das einen Platz an einer anderen Wand bekommen wird. Insight muss aber noch ein wenig trocknen … Ich werde berichten, wenn auch dieses Bild an Ort und Stelle angekommen ist.

PS: Die Zitronentarte nennt sich Luz de limón, das Restaurant Begur findet ihr am Weigandufer 36 in 12059 Berlin und einen Blick ins Ambiente und in die Speisekarte könnt ihr hier werfen. Empfehlung!

  • Restaurant Begur, Berlin. Noch ohne meine Bilder.
  • Im Restaurant Begur, Berlin. Bilder aufhängen.
  • Restaurant Begur, Berlin. Bilder "I see fire" und "Seaside IV" von Claire Marin.

 

 

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