Posts Tagged: Contemporary Art

Fragmente in Öl

Ich habe lange Zeit Bilder gemalt, bei denen es mir um ein möglichst harmonisches Zusammenspiel ging. Keine scharfen Kanten oder abrupten Übergänge, stattdessen ein fließendes Ineinanderfinden der Farben. Im Moment beschäftigt mich allerdings genau das Gegenteil: Kontraste, Schnitte, Abgrenzungen, Trennungen.

Eines der Bilder, die im Zuge dieser Zeit-und Seelenqualität entstanden sind, ist „What’s left?“. Ich habe es genossen, mich auf einem Quadratmeter Leinwand mit Ölfarben auszutoben, zu sehen, wie sich Schicht für Schicht in Spachteltechnik entwickelt und während des Malens große Dynamik quasi aus dem Nichts entsteht. Nun hängt das Bild bei mir an der Wand und erinnert mich an geborstene Eisschollen, an Vergissmeinnicht, an fragmentarische Träume und an arktische Kälte.

Woran lässt es dich denken?

What's left. 100x100x3

What’s left? Öl auf Leinwand. 100cmx100cmx3cm. ©Claire Marin, 2016.

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Salongespräch mit einer Dame in Lila

In unregelmäßigen Abständen bekommt der Blaue Salon Besuch von befreundeten Künstlerinnen und Künstlern. Ich freue mich sehr, dass ich heute eine Freundin aus der Ukraine vorstellen darf, deren wunderbare Bilder mich immer wieder begeistern. Lasst euch überraschen im Salongespräch mit Lila Dame.

Stell dich bitte kurz vor – wo lebst du, was liebst du?

Lila DameIch bin Ukrainerin und lebe in der Stadt Lviv, wo ich Design studiere. In meiner Freizeit male ich, besuche Museen und Kunstausstellungen, ich gehe gerne wandern oder tausche mich mit meinen Freunden im In- und Ausland aus.

Seit wann malst du und wie bist du dazu gekommen?

Als ich 5 Jahre alt war, besuchte ich eine Kunstschule. Die ersten künstlerischen Materialien, mit denen ich zu arbeiten begann, waren Tusche, Aquarellfarben und Gouache. Ich malte damals auf Papier und auf Leinwand. Ich erinnere mich noch sehr gut an das erste Bild, das ich mit Tusche gemalt habe. Es war das Portrait einer ukrainischen Frau in Tracht mit vielen Blumen im Haar. Seit diesem Moment begleitet mich die Tuschemalerei. Neben der Malerei mache ich Applikationen, Origami und verschiedene Formen aus Holz und Lehm. Ich habe an vielen Kunstwettbewerben teilgenommen und war in dem Bereich auch sehr erfolgreich. Das hat mich sehr gefreut und den Wunsch geweckt, mich noch mehr ins Malen vertiefen.

Tusche, Aquarell

Tusche, Aquarell © Lila Dame

 

Mit meinen Bildern möchte ich Menschen zum Denken anregen und Erinnerungen auslösen. Außerdem fasziniert mich immer die Schönheit des Moments. Diesen möchte ich einfangen.

 

 

Gibt es Dinge, die dich in deiner Kunst blockieren? Wie gehst du damit um?

Ja, es gibt auch Blockaden. Wenn ich ein Bild beginne, kann es passieren, dass es mir im weiteren Malprozess nicht mehr gefällt. Manchmal ist es dann wirklich schwer, das Bild zu beenden. Ich muss dann meine Kraft und Konzentration zusammennehmen und trotzdem weiter malen. Es passiert auch, dass ich mit einem Ergebnis nicht zufrieden bin. Manchmal dauert es dann eine Weile und ich muss Zeit vergehen lassen, um später mit einem anderen Blick auf das Bild zu sehen.

 

Jeder Künstler arbeitet anders. Gibt es ein Medium, mit dem du besonders gerne malst? Warum?

Es gibt bei mir zwei besondere Medien. Wie ich schon erwähnt habe, ist das zum einen Tusche, zum anderen aber auch Ölfarbe. Mit Tusche male ich besonders gerne, weil ich die Effekte mag, die sie erzeugt. Die Bilder sehen einfach gut aus – selbst, wenn man sich einmal weniger Mühe gibt.

An Ölfarbe gefällt mir die Konsistenz, wie sie riecht und wie sie sich auf die Leinwand oder auf den Karton legt.

 

 

Was möchtest du in deinem Leben unbedingt noch tun? Wovon träumst du?

Ich möchte eine gute Designerin werden. Und ich träume von einem Studium im Ausland, das wäre spannend.

 

Du malst ja viel – nutzt du auch noch andere künstlerische Ausdrucksformen?

Ja, ich arbeite sehr gerne auch noch mit Grafik und Skulptur.

 

Oelfarben, Acryl, Origami

Ölfarben, Acryl, Origami. ©Lila Dame

 

Hast du Vorbilder? Wenn ja, welche? Und warum ausgerechnet diese?

Vorbilder habe ich nicht direkt, weil ich gerne meinen eigenen Stil schaffen möchte. Aber ich mag den Impressionismus sehr. Mir gefallen die Bilder vom Paul Cézanne, Claude Monet oder Paul Gauguin. Sie spielten so wunderschön mit Farben.

Es gibt auch einige ukrainische Künstler, die ich sehr mag: Oleksa Nowakiwskij (Олекса Новаківський) zum Beispiel. Seine Bilder sind sehr „lebendig“.

Karlo Swirynskyj (Карло Звіринський) ist auch ein genialer Künstler. Ich staune, welch‘ moderne Bilder er malte – und das in einer Zeit, als ukrainische Künstler von der Welt und jeder Information von außen isoliert wurden.

Kateryna Bilokur (Катерина Білокур) ist ein Genie, was das Malen von Blumen angeht. Übrigens wurde ihr Talent auch von Pablo Picasso bemerkt, was wirklich interessant ist.

Die Karpaten 2015, Oelfarben

Die Karpaten. 2015, Ölfarben. ©Lila Dame

 

Die Natur, Fotos und die Bilder von anderen Künstlern inspirieren mich.

Stillleben, Guasch

Stilleben, Gouache ©Lila Dame

Wenn du eine Zeitreise machen könntest – wo würden wir dich treffen? Mit wem?

Wenn ich eine Zeitreise machen könnte, würdet ihr mich in New York, im Jahr 1950, mitten im Bronx Zoo treffen. Dort würde ich bei Jacques (Jakiw) Hnizdovsky (Яків Гніздовський) sitzen und beobachten, wie er an einem seiner berühmten Holzschnitte von den Tieren arbeitet.


 

Gefallen euch die Arbeiten von der Lila Dame? Mehr von ihr findet ihr auf ihrem Twitteraccount. Sie verkauft ihre Bilder übrigens auch – scheut euch also nicht, sie anzuschreiben :-)

 

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