Posts Tagged: Berliner Kunst

Fragmente in Öl

Ich habe lange Zeit Bilder gemalt, bei denen es mir um ein möglichst harmonisches Zusammenspiel ging. Keine scharfen Kanten oder abrupten Übergänge, stattdessen ein fließendes Ineinanderfinden der Farben. Im Moment beschäftigt mich allerdings genau das Gegenteil: Kontraste, Schnitte, Abgrenzungen, Trennungen.

Eines der Bilder, die im Zuge dieser Zeit-und Seelenqualität entstanden sind, ist „What’s left?“. Ich habe es genossen, mich auf einem Quadratmeter Leinwand mit Ölfarben auszutoben, zu sehen, wie sich Schicht für Schicht in Spachteltechnik entwickelt und während des Malens große Dynamik quasi aus dem Nichts entsteht. Nun hängt das Bild bei mir an der Wand und erinnert mich an geborstene Eisschollen, an Vergissmeinnicht, an fragmentarische Träume und an arktische Kälte.

Woran lässt es dich denken?

What's left. 100x100x3

What’s left? Öl auf Leinwand. 100cmx100cmx3cm. ©Claire Marin, 2016.

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Can we go now? – Die Lust auf Großes

Einige Wochen war ich kleinteilig beschäftigt. Skizzen, Zeichnungen mit Kreiden, Kohle und Graphit, Aquarelle. Jetzt ist sie zurück, die Lust auf große Formate – und auf die Arbeit mit meinen geliebten Ölfarben. Vor kurzem wurde „Can wie go now?“ fertig, ein Bild in Blautönen, das ich persönlich sehr mag. Während der Arbeit daran kam alles im Inneren zur Ruhe. Es fühlte sich an wie ein feines Fließen, obwohl ich mit Spachteln statt mit Pinseln arbeitete und die Ölfarben kaum verdünnte. Das Ergebnis ist ein geschichtetes Bild mit sattem Glanz und viel Struktur, auf dem verschiedene Blautöne ineinander übergehen. Dazwischen das Weiß – ein Küstenstreifen? Ein Gedanke? Eine Frage, eine Erinnerung?

Mir hat die Arbeit an einem größeren Format nach so langer Zeit wieder viel Freude gemacht. Das Bild hängt nun im Blauen Salon an der Wand und wartet auf Liebhaber. Vielleicht ja auf euch …

Can we go now_Öl auf Leinwand. 100x100x3

Can we go now? Öl auf Leinwand. 100cm x 100cm x 3cm.

 

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Künstlerpech. Oder: Es kommt anders als gedacht

Wer mir auf Twitter folgt, wunderte sich vielleicht über meine neuesten Beiträge. Da ist die Rede von Flugumbuchungen (nervenaufreibendster Art!) bei Air Berlin, von (hingegen erfreulich einfachen) Wohnungsstornierungen bei Airbnb und generell von jeder Menge Unklarheit und Hin und Her. Hintergrund all dieser Aufregung:

The Kiss. Öl auf Leinwand, 2016. ©Claire Marin Für April dieses Jahres war eine Ausstellung meiner Bilder in München geplant. Ich war selig, denn an einen so wundervollen Ort wie die Galerie im Geranienhaus des Schlosses Nymphenburg kommt man auch nicht alle Tage.

Über ein halbes Jahr arbeitete ich auf diese Ausstellung hin, entwickelte Konzepte, kreierte und verwarf Bilder, experimentierte und schwankte – wie das eben so ist – permanent zwischen kreativen Höhen und Tiefen. Ich hatte eine schöne, aber auch sehr anstrengende Zeit, die ich in ihrer Intensität nicht missen möchte, die mir aber auch einiges abverlangt hat. Es gab Tage, an denen ich am liebsten alles hingeschmissen hätte, weil mir keines meiner Bilder einer Ausstellung würdig erschien. Momente, in denen mir jeder Muskel wehtat, weil ich alles um mich herum vergessen und es einfach komplett übertrieben hatte (ja, Malen ist anstrengend!) Und es gab Nächte, in denen ich wild von der Ausstellung träumte, weil sie sich so sehr in meinem Unterbewusstsein festgesetzt hatte, dass ich nicht einmal nachts aufhören konnte, darüber nachzudenken.

Der Januar kam, alle Ölbilder trockneten friedlich vor sich hin, Flug und Wohnung waren gebucht und ich begann, mich wirklich auf die Zeit in München zu freuen. Schließlich ist das für mich nicht einfach nur irgendein Ort, sondern mein früheres Zuhause. Ich habe von 1998 bis 2005 in München studiert und war sehr gespannt darauf, meine alte Studentenstadt wiederzusehen.

Hatte? War?

Richtig. Vor Kurzem erreichte mich die Nachricht, dass das Geranienhaus leider baufällig ist und sofort saniert werden muss. Alle Ausstellungen wurden gestrichen. Punkt.

Es ist sehr interessant, wie viel eine an sich unspektakuläre Nachricht innerlich zum Einsturz bringen kann. Ich brauchte ungefähr zwei Tage, um mich von dieser Meldung zu erholen und wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Nein, das alles ist natürlich kein Weltuntergang – aber für mich fühlte es sich kurzzeitig so an. Und ja, man kann die Termine verschieben (genau das wird passieren – meine Ausstellung findet voraussichtlich im Mai 2017 statt) – aber alles Herzblut, das ich in die Bilder gesteckt hatte, all die monatelange Arbeit, all die Vorfreude auf die Ausstellung an diesem wundervollen Ort – all das löste sich plötzlich in Nichtigkeit auf.

Mai 2017 ist eine halbe Ewigkeit entfernt. Bis dahin wird sich mein künstlerischer Stil gewandelt haben, ich werde Anderes entdeckt, Neues ausprobiert haben und die Bilder des Jetzt werden dann wahrscheinlich nicht mehr in die Ausstellung passen. Das ist das Schöne an der Kunst – sie ist im besten Fall ebenso im Fluss wie der Mensch, der sie aus sich heraus entwickelt. Und das ist das Schlechte an der Kunst – man kann sie nicht konservieren und einfach in einem Jahr wieder ausgraben. Nicht, wenn man möchte, dass eine Ausstellung jeweils den aktuellen persönlichen Entwicklungsstand zeigt. Was weiß denn ich, was mich in einem Jahr beschäftigt? Was mich umtreibt und dann den Weg auf die Leinwand finden möchte?

Es wird dann um eine andere Ausstellung gehen, um einen anderen Ausgangspunkt – und in den meisten Fällen wohl um andere Bilder. Welche es sein werden? Ich weiß es nicht. Wohin die Reise geht? Keine Ahnung. Aber vorerst geht die Reise nicht nach München, die Bilder bleiben im Berliner Blauen Salon und ich atme durch und behalte im Hinterkopf die Vorfreude auf das, was sich weiterentwickeln darf. Denn das wird es ja ohnehin. Manchmal nur eben ganz anders als gedacht.

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Schon Februar???

Tatsächlich. Februar. Ich habe keine Ahnung, wo der Januar geblieben ist … Vielleicht lag es an meinem Arbeitspensum. Es sind jede Menge Bilder entstanden, neue Möglichkeiten haben sich aufgetan, andere Türen haben sich (vorübergehend) geschlossen. 2016 scheint definitiv ein Jahr zu sein, das mit Überraschungen aufwarten möchte. Da mich die Arbeit nach wie vor sehr auf Trab hält, fasse ich mich in diesem Blogbeitrag kurz.

Gestern habe ich 4 Bilder für die Gruppenausstellung „Fire & Ice“ in der Berliner Galerie Kunststück abgeliefert und bin nun gespannt auf die Vernissage am Samstag, 6.2.2016. Ab 19 Uhr können dort die Werke verschiedenster Künstler bewundert werden. Der Eintritt ist übrigens frei – ich werde berichten, wie es war. Die Ausstellung läuft noch bis zum 26.02.2016.

Bilder von Claire Marin

 

 

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Spielen mit Ölfarben / Playing with oil

Ich habe das Wochenende dafür genutzt, weiter mit Ölfarben herumzuspielen. Seitdem ich einen geruchlosen Terpentinerssatz entdeckt habe, macht das mir (und meinem Kopf) auch deutlich mehr Spaß! Ich habe mich also mit großer Begeisterung den kompletten Sonntag über im Atelier vergraben, um nach Herzenslust mit Farben zu spielen – was für ein Luxus … Bei dieser Gelegenheit fiel mir auf, dass die meisten Menschen im Erwachsenenalter gar nicht mehr spielen. Dabei ist es so wunderbar, sich ganz versunken auf etwas einzulassen und dabei alles um sich herum zu vergessen. Mir geht das beim Malen so. Es ist wie ein Kurzurlaub für die Seele.

Zurück zu dem, was während des Spielens entstand. Aus mir wird wahrscheinlich niemals eine Künstlerin, die sich stundenlang mit Landschafts – oder Portraitmalerei auseinandersetzen möchte. Dazu fehlt mir (zumindest im Moment) einfach die Geduld. Viel mehr fasziniert mich, mit Farbverläufen zu spielen und herumzuprobieren, was sich mit verschiedenen Viskositäten, Fließgeschwindigkeiten und -winkeln anstellen lässt. Schemenhafte Figuren finden sich in meinem Bildern allerdings immer wieder und das wird sich wahrscheinlich so schnell auch nicht ändern. Mich interessieren Andeutungen eben mehr als das Offensichtliche.

Eines der gestern entstandenen Bilder ist „I will wait“. Genutzt habe ich dafür Indischgelb, Kadmiumrot, gebranntes Siena und Titanweiß – Farbtöne also, die im Blauen Salon bisher nur selten zum Einsatz kamen, die mir aber extrem gut gefallen und in Zukunft sicher häufiger den Weg auf die Leinwand finden werden. Wie die Farbverläufe bei diesem Bild genau entstanden sind, bleibt allerdings mein kleines Geheimnis. Verraten kann ich nur: Es war deutlich anstrengender, als es aussieht :-)

I will wait. Oil on canvas. 50cm x 60cm. ©Claire Marin, 2015

I will wait. Oil on canvas. 50cm x 60cm. ©Claire Marin, 2015

 

Kannst du noch spielen? Dich voll und ganz in etwas verlieren und dabei Neues entdecken? Womit und auf welche Weise? Wenn du möchtest, lass mir einen Kommentar zu diesem Thema hier!


This weekend I played around with oil paints. Since I have discovered an odorless alternative für turpentine it’s even a lot more fun! So I buried myself in the studio the entire sunday to play with colors – what a luxury … On this occasion, I noticed that most people in adulthood stop to play. That’s a pity because it’s so wonderful to be completely absorbed and forget everything around you. Painting, for me, feels like this. It’s like a short vacation for the soul.

Back to the results … I will never become an artist doing landscapes or portraiture. For this purpose, I am (at least for now) not patient enough. I am much more fascinated by playing with color and find out what can be explored with different viscosities, flow rates and angles. Shadowy figures can be found in my pictures, however, again and again and that will probably never change. I’m interested in hints more than in the obvious.

One of yesterdays paintings is „I will wait“. I have used indian yellow, cadmium red, burnt siena and titanium white – shades that I rarely use, but like. I think I will need them more often in future. How this painting was done exactly remains my little secret. I can only tell: It was significantly more exhausting than it looks :-)

 

 

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Warum so viele Blautöne? / In love with the Blues?


2015-03-22 11.52.01Diese Frage wird mir oft gestellt und es ist nicht zu bestreiten, dass die Farbe Blau in meinen Arbeiten einen Dreh- und Angelpunkt darstellt. Blau ist der Farbton, die mich am meisten bewegt und zugleich innerlich sehr ruhig werden lässt. Wenn ich mit Blautönen arbeite, finde ich das Meer in jedem Pinselstrich. Ich sehe darin eine Möglichkeit, den Kopf auszuschalten und neugierig auszuprobieren, was das Unterbewusstsein hervorbringt, wenn ich jede Vernunft außen vor lasse. Blau ist für mich die Seelenfarbe schlechthin und als Künstlerin, die es liebt, völlig intuitiv zu arbeiten, eine Verbindung hin zu meinem Seelenkern.


It can not be denied that the color blue is a linchpin in my work as a painter. Blue is the color tone that moves me the most and at the same time calms me down. Every time I work with different shades of blue, I find the sea in each brush stroke. I experience what happens while leaving rationality behind and let the subconscious take command. Blue, for me, is the color of the soul and as an artist who loves to work intuitively allows me to connect with the core of my soul.




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