Posts in Category: Kunstmarketing

Die Bedeutung der Gefühle, oder – Warum Bilder so viel mehr als nur ihre Oberfläche sind

Seien wir ehrlich: Bilder malen ist eine Sache – Bilder verkaufen eine ganz andere. Wer diesem Blog (oder meinem Twitter Account) schon länger folgt, der weiß: Ich male meine Bilder nicht nur für mich, zum Selbstausdruck, zur Aufarbeitung oder zur Darstellung dessen, was mich bewegt – sondern auch, um anderen damit eine Freude zu machen. Um Gedanken zum wandern zu bringen, Träume zu wecken, Stimmung in Räumen und in Herzen zu erschaffen. Und wann immer ein Bild ein neues Zuhause findet, ist das für mich ein wundervolles Gefühl. Es zeigt mir, dass meine Werke auch andere Menschen berühren und über mein stilles Atelier hinaus ihre Wirkung auf die Welt entfalten.

Interessanterweise geht es so gut wie nie um die Motive, die ein Bild zeigt. Das, was Menschen dazu bringt, sich in ein Bild zu verlieben, ist immer das Gefühl, das in ihnen ausgelöst wird, wenn sie es betrachten. Bilder sind ohne Zweifel mächtige Emotionsträger – und Menschen, die sich mit Bildern umgeben, teilen dieses Gefühl gerne mit ihrer Umwelt. Von allen Bildern, die aus dem Blauen Salon heraus bisher neue Besitzer fanden, waren es immer die Emotionalen, die Ausufernden, die Inspirierenden, die zu Träumen Anregenden. Selbst, wenn die Bilder puristisch waren, knapp, bewusst reduziert; es lag immer eine große Gefühlstiefe in ihnen. Und die kam bei den Betrachtern an und wirkte in ihnen weiter. Erstaunlich? Nein. Absolut menschlich, denke ich.

Ich mag den Gedanken sehr, dass es stets die emotionalen Bilder sind, die Freunde und Liebhaber finden – nicht zuletzt, weil ich selbst sehr emotional und liebevoll an die Arbeit herangehe. Ich male wenig kopflastig (das bin ich im restlichen Leben genug, herzlichen Dank!) und folge stattdessen meist den spontanen Gefühlen, die während des Malens entstehen. Für mich steht der Ausdruck von Emotion und Atmosphäre immer im Mittelpunkt. Es geht um Stille, um Weite, um Transparenz und um die Einflüsse, die das Unterbewusstsein auf uns ausübt. Malen ist für mich oft mit einer Meditation vergleichbar. Ich verschwinde während der Arbeit in der entspannten Konzentration. Es geht nur noch um Farben, um Linien, um Schichten – und um die Gefühle, die sie vermitteln, wenn sie sich in einem Bild verbinden.

Für Menschen, die meine Bilder betrachten, entstehen dann wiederum ganz eigene Welten. Sie bringen ihre Erfahrungen, Erinnerungen, Erwartungen mit ein – und diese mischen sich mit meinen zu einem neuen Ganzen. Was könnte schöner sein, als jemanden auf diese Weise im Innersten zu berühren? Mir fällt nur wenig ein.

Eines meiner momentanen emotionalen Lieblingsbilder ist „Mermaid’s laughter“. Es war lange Zeit eines der Sorgenkinder. Insgesamt hatte ich es fast ein Jahr in halbfertigem Zustand im Atelier stehen und wir wurden nicht recht glücklich miteinander. Immer wieder habe ich verändert, neue Schichten übereinandergelegt, mit Strukturen experimentiert. Nach und nach entwickelte es sein Innenleben und seine Ausstrahlung, setzte sich zusammen wie ein Puzzle aus Gefühlen. Bis es schließlich stimmig war und wir beide uns lächelnd zunicken konnten. Angekommen.

Mermaid's laughter. Oil on canvas. © Claire Marin, 2016

Mermaids laughter. Öl auf Leinwand, 70cm x 90cm. ©Claire Marin, 2016

Heute konnte ich das Bild (nachdem die Ölfarbe eben ihre Zeit zum Trocknen brauchte) endlich rahmen – und wie immer, wenn ich ein Bild in einen passenden Rahmen setze, wandelte sich die Wirkung.

„Mermaid’s laughter“ ist eines der Bilder, die durch den Rahmen erwachsener und noch ausdrucksstärker werden; selbst, wenn es sich – wie in diesem Fall – nur um einen sehr schmalen, weißen Schattenfugenrahmen handelt, der eher Raum gibt als Begrenzung. Das Bild hängt nun an der Wand des Blauen Salons. Und es bringt das Meer zu mir.

Mermaids laughter. Oil on canvas. © Claire Marin, 2016

Mermaid’s laughter. Öl auf Leinwand, 70cm x 90cm. ©Claire Marin, 2016

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Als Künstler erfolgreich sein – um jeden Preis? / How to become a famous artist

Aquarell auf Papier, Claire Marin, 2015Ich wurde gestern gefragt, ob Kunst unbedingt schockieren muss, um Aufmerksamkeit zu erregen. Muss man auf Teufel komm raus provozieren? Oder kann ein Künstler auch erfolgreich sein, ohne den Rahmen zu sprengen?

Meiner Meinung nach: Ja! Unbedingt sogar! Erfolg durch Zurückhaltung ist möglich – und aus meiner Sicht erstrebenswert. Wir leben in einer Welt, in der die Reize immer heftiger, immer schneller, immer lauter werden. Das Tempo erhöht sich, die Aufmerksamkeitsspannen sinken permanent und die Informationsflut wird zu einer echten Herausforderung. Ich plädiere dafür, dass Kunst in diesem schrillen Kasperletheater ausdrücklich eine Ausnahme sein darf. Sie darf schön sein, leise und scheu. Sie darf gerade durch Zurückhaltung für sich einnehmen und sie darf Aussagen treffen und Botschaften verbreiten, ohne dabei zu brüllen. Ich selbst kreiere ganz bewusst stille Kunst – weil sie mir liegt und weiß sie zu mir passt. Das Aquarell rechts ist ein Beispiel dafür. Weitere Bilder von mir findest du in meinem Portfolio.

Ich weiß, dass es da draußen eine Menge Menschen gibt, die genau diese Werke zu schätzen wissen. Mir ist dabei vollkommen egal, ob das aus marketingstrategischer Sicht sinnvoll ist.

Kunst muss nichts und darf alles.

Gerade Independent-Künstler scheinen oft der Meinung zu sein, alle anderen übertrumpfen zu müssen, um überhaupt gesehen zu werden. Der Markt ist überflutet von guter Kunst – wie sonst, wenn nicht durch schockierende oder provozierende Arbeiten soll man die Menschen überhaupt noch für sich interessieren?

Ja, natürlich gibt es diese Nische und natürlich hat auch sie ihre Berechtigung. Ich halte sie nur nicht für das einzig seligmachende Mittel auf dem Weg zum Erfolg. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Künstler auf dem Markt die Sammler findet, die zu ihm passen. Wer (aus Überzeugung) schockierende Kunst produziert, findet Sammler, die nach schockierender Kunst lechzen. Wer stille Kunst anbietet, weil diese Form der Arbeiten ihm entspricht, findet die Sammler, die eben diese stille Kunst lieben. Es gibt kein richtig oder falsch – es gibt lediglich viele wunderbare Ausdrucksmöglichkeiten. Alles, worum wir uns bemühen müssen, ist Authentizität. Gute Arbeiten abzuliefern, in denen sich die eigene Seele zeigt, überzeugt auf Dauer wesentlich mehr als ein radikal verstörendes Strohfeuer, das nur entstand, weil man glaubte, dem Irrlicht der unbedingt nötigen Provokation folgen zu müssen.

Übrigens – wann immer ich erfolgreich war, führt mich mein Weg zum Beispiel ins Berliner KaDeWe – gerne in die wunderbare Gourmetabteilung. Heute stehen die Chance gut, mich dort mit einem Glas Champagner in der Hand anzutreffen. Der Grund dafür bleibt mein kleines Geheimnis … Man muss es sich – neben all der Arbeit – auch gutgehen lassen können ;-) Wenn du auf der Suche nach etwas Besonderem bist, schau einfach einmal im KaDeWe-Onlineshop vorbei. Mit jedem Einkauf dort unterstützt du mich und meine Kunst, was mich sehr freuen würde.



Was denkst du? Muss Kunst provozieren, um erfolgreich auf dem Kunstmarkt zu bestehen? Was ist dir wichtig? Womit kann eine Künstlerin oder ein Künstler dich wirklich begeistern? Schreib mir einen Kommentar dazu!


What do you think – has art to be shocking? Is it possible for an artist to be successful without deliberate provocation?

In my opinion, yes. Absolutely! In todays world, it seems like stimuli always have to get more violent, faster, louder. We live on cyberspeed, attention spans decrease and the permanent information overload is really challenging.

I’m in favour that art, explicitly, can make a difference. It is allowed to be beautiful, quiet and shy. It is allowed to capture our interest by behaving with integrity and discretion. Of course art should always contain a message and be proud share it with the world – but this can occur without shouting. I do art which ist silent and I know, there are many people out there that really appreciate my works – because it is quiet and shy. I don’t care if anybody says, art (and art marketing) should be loud, provocative or disturbing. That’s just not my cup of tea. (By the way, the waterpainting on the right is one of my very quiet works … you find more of my artworks in my Portfolio.

Art can do everything without being bound to anything. Especially Independent artists often think they have to be loud when they want to be heard at all. The art market is flooded with good art – how else if not intended by shocking or provocative work you one be interesting?

Yes, of course there is this niche but I don’t think think it’s the only road to success. It is my firm belief that every artist finds collectors who suit him. Who produces shocking arts will be found by collectors who are hungry for shocking art. Anyone offering silent art, because this type of work suits him or her better, will be loved by collectors who just love silent art.

There are only so many wonderful possibilities of expression. Stay authentic. To always deliver good work, in which one’s soul is convinced, will be more successfull in the long run than to jump on the bandwagon although it might not head to the destination where you want to be.

What do you think? Has art to be provocative and loud? What kind of art (and artmarketing) do you prefer? And what has an artist to do to impress you? Let me know by writing a comment :-)

 

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Warum ich tue, was ich tue / An artists statement

Es scheint eine Art Naturgesetz zu sein: Wenn jemand einen Ateliertermin mit mir vereinbart, kommt früher oder später bei einem Kaffee oder gutem Wein die Frage auf, warum ich eigentlich male. Was ich mit meinen Arbeiten ausdrücken möchte, welche Botschaft die Bilder transportieren, warum ich genau diesen Stil gewählt habe und keinen anderen.

Die Antworten sind – für mich – einfach, denn sie entspringen ja meinem ureigenen Antrieb, sozusagen der Quelle, aus der heraus ich kreativ tätig bin. Malen ist für mich das bewusste Einlassen auf eine Reise nach innen. Es ist der Rückzug in einen geschützten Kokon, in dem alles geschehen darf, aber nichts geschehen muss. Ich möchte Bilder erschaffen, die beim Betrachten das Gefühl von Weite vermitteln, etwas in der Seele zum Aufblühen bringen und in denen man sich zugleich gedankenverloren verlieren kann. Sie sollen das Unterbewusstsein ansprechen, zu traumwandlerischem Erkunden einladen und die lächelnde Gewissheit erzeugen, dass für jeden von uns immer wieder alles möglich ist.

Dass ich neben Öl- und Acrylfarben auch ChamHidden Gold I. Acryl und Crémant auf Leinwand.pagner und Crémant zum Malen verwende, verstärkt die Extravaganz der Arbeiten. Es geht mir um Bilder, die für ihre Besitzer etwas Besonderes sind und das Leben mit Freude und dem Gefühl von Luxus füllen. Luxus ist für jeden etwas anderes – für mich bedeutet er vor allem absolute Freiheit im Denken und Handeln, die Möglichkeit zu träumen und das Leben zielsicher nach eigenen Wünschen zu gestalten. Luxus spiegelt sich für mich in dem Bewusstsein, dass unser Leben kurz ist und jeder Moment unwiderbringlich wertvoll. Genau das transportiere ich auch in meinen Bildern.


Whenever somebody visits me in my studio, sooner or later, over coffee or a good wine, we talk about 
my art. Why I became a painter, what I want to express with my work, why I have chosen precisely this 
style and no other.

Painting, for me, is a way to get in contact with the subconscious. It's a journey, a retreat into a protected
cocoon in which everything can happen - but nothing really has to. I love to create paintings that convey
the feeling of space while looking at them, that let the soul flourish and in which one can get lost in thought at the same time. They should invite to explore
possibilities with the smiling certainty that for each of us everything is possible. You just have to be brave and conquer life.

That I use to paint with champagne and crémant besides oil and acrylic, amplifies the extravagance of my works. It's not about painting a beautiful artwork. It's
about creating paintings that are special to their owners and fill their life with joy and a feeling of luxury.

Luxury is perceived differently by everyone - for me it means primarily absolute freedom of thought and action, the ability to dream and to make the life happen 
which you are dreaming of. Luxury, for me, is reflected in the awareness that our life is short and every moment irretrievably and precious. 
That is exactly what I want to communicate in my pictures.

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