Posts in Category: Kunst in Berlin

Fragmente in Öl

Ich habe lange Zeit Bilder gemalt, bei denen es mir um ein möglichst harmonisches Zusammenspiel ging. Keine scharfen Kanten oder abrupten Übergänge, stattdessen ein fließendes Ineinanderfinden der Farben. Im Moment beschäftigt mich allerdings genau das Gegenteil: Kontraste, Schnitte, Abgrenzungen, Trennungen.

Eines der Bilder, die im Zuge dieser Zeit-und Seelenqualität entstanden sind, ist „What’s left?“. Ich habe es genossen, mich auf einem Quadratmeter Leinwand mit Ölfarben auszutoben, zu sehen, wie sich Schicht für Schicht in Spachteltechnik entwickelt und während des Malens große Dynamik quasi aus dem Nichts entsteht. Nun hängt das Bild bei mir an der Wand und erinnert mich an geborstene Eisschollen, an Vergissmeinnicht, an fragmentarische Träume und an arktische Kälte.

Woran lässt es dich denken?

What's left. 100x100x3

What’s left? Öl auf Leinwand. 100cmx100cmx3cm. ©Claire Marin, 2016.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Die Bedeutung der Gefühle, oder – Warum Bilder so viel mehr als nur ihre Oberfläche sind

Seien wir ehrlich: Bilder malen ist eine Sache – Bilder verkaufen eine ganz andere. Wer diesem Blog (oder meinem Twitter Account) schon länger folgt, der weiß: Ich male meine Bilder nicht nur für mich, zum Selbstausdruck, zur Aufarbeitung oder zur Darstellung dessen, was mich bewegt – sondern auch, um anderen damit eine Freude zu machen. Um Gedanken zum wandern zu bringen, Träume zu wecken, Stimmung in Räumen und in Herzen zu erschaffen. Und wann immer ein Bild ein neues Zuhause findet, ist das für mich ein wundervolles Gefühl. Es zeigt mir, dass meine Werke auch andere Menschen berühren und über mein stilles Atelier hinaus ihre Wirkung auf die Welt entfalten.

Interessanterweise geht es so gut wie nie um die Motive, die ein Bild zeigt. Das, was Menschen dazu bringt, sich in ein Bild zu verlieben, ist immer das Gefühl, das in ihnen ausgelöst wird, wenn sie es betrachten. Bilder sind ohne Zweifel mächtige Emotionsträger – und Menschen, die sich mit Bildern umgeben, teilen dieses Gefühl gerne mit ihrer Umwelt. Von allen Bildern, die aus dem Blauen Salon heraus bisher neue Besitzer fanden, waren es immer die Emotionalen, die Ausufernden, die Inspirierenden, die zu Träumen Anregenden. Selbst, wenn die Bilder puristisch waren, knapp, bewusst reduziert; es lag immer eine große Gefühlstiefe in ihnen. Und die kam bei den Betrachtern an und wirkte in ihnen weiter. Erstaunlich? Nein. Absolut menschlich, denke ich.

Ich mag den Gedanken sehr, dass es stets die emotionalen Bilder sind, die Freunde und Liebhaber finden – nicht zuletzt, weil ich selbst sehr emotional und liebevoll an die Arbeit herangehe. Ich male wenig kopflastig (das bin ich im restlichen Leben genug, herzlichen Dank!) und folge stattdessen meist den spontanen Gefühlen, die während des Malens entstehen. Für mich steht der Ausdruck von Emotion und Atmosphäre immer im Mittelpunkt. Es geht um Stille, um Weite, um Transparenz und um die Einflüsse, die das Unterbewusstsein auf uns ausübt. Malen ist für mich oft mit einer Meditation vergleichbar. Ich verschwinde während der Arbeit in der entspannten Konzentration. Es geht nur noch um Farben, um Linien, um Schichten – und um die Gefühle, die sie vermitteln, wenn sie sich in einem Bild verbinden.

Für Menschen, die meine Bilder betrachten, entstehen dann wiederum ganz eigene Welten. Sie bringen ihre Erfahrungen, Erinnerungen, Erwartungen mit ein – und diese mischen sich mit meinen zu einem neuen Ganzen. Was könnte schöner sein, als jemanden auf diese Weise im Innersten zu berühren? Mir fällt nur wenig ein.

Eines meiner momentanen emotionalen Lieblingsbilder ist „Mermaid’s laughter“. Es war lange Zeit eines der Sorgenkinder. Insgesamt hatte ich es fast ein Jahr in halbfertigem Zustand im Atelier stehen und wir wurden nicht recht glücklich miteinander. Immer wieder habe ich verändert, neue Schichten übereinandergelegt, mit Strukturen experimentiert. Nach und nach entwickelte es sein Innenleben und seine Ausstrahlung, setzte sich zusammen wie ein Puzzle aus Gefühlen. Bis es schließlich stimmig war und wir beide uns lächelnd zunicken konnten. Angekommen.

Mermaid's laughter. Oil on canvas. © Claire Marin, 2016

Mermaids laughter. Öl auf Leinwand, 70cm x 90cm. ©Claire Marin, 2016

Heute konnte ich das Bild (nachdem die Ölfarbe eben ihre Zeit zum Trocknen brauchte) endlich rahmen – und wie immer, wenn ich ein Bild in einen passenden Rahmen setze, wandelte sich die Wirkung.

„Mermaid’s laughter“ ist eines der Bilder, die durch den Rahmen erwachsener und noch ausdrucksstärker werden; selbst, wenn es sich – wie in diesem Fall – nur um einen sehr schmalen, weißen Schattenfugenrahmen handelt, der eher Raum gibt als Begrenzung. Das Bild hängt nun an der Wand des Blauen Salons. Und es bringt das Meer zu mir.

Mermaids laughter. Oil on canvas. © Claire Marin, 2016

Mermaid’s laughter. Öl auf Leinwand, 70cm x 90cm. ©Claire Marin, 2016

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Can we go now? – Die Lust auf Großes

Einige Wochen war ich kleinteilig beschäftigt. Skizzen, Zeichnungen mit Kreiden, Kohle und Graphit, Aquarelle. Jetzt ist sie zurück, die Lust auf große Formate – und auf die Arbeit mit meinen geliebten Ölfarben. Vor kurzem wurde „Can wie go now?“ fertig, ein Bild in Blautönen, das ich persönlich sehr mag. Während der Arbeit daran kam alles im Inneren zur Ruhe. Es fühlte sich an wie ein feines Fließen, obwohl ich mit Spachteln statt mit Pinseln arbeitete und die Ölfarben kaum verdünnte. Das Ergebnis ist ein geschichtetes Bild mit sattem Glanz und viel Struktur, auf dem verschiedene Blautöne ineinander übergehen. Dazwischen das Weiß – ein Küstenstreifen? Ein Gedanke? Eine Frage, eine Erinnerung?

Mir hat die Arbeit an einem größeren Format nach so langer Zeit wieder viel Freude gemacht. Das Bild hängt nun im Blauen Salon an der Wand und wartet auf Liebhaber. Vielleicht ja auf euch …

Can we go now_Öl auf Leinwand. 100x100x3

Can we go now? Öl auf Leinwand. 100cm x 100cm x 3cm.

 

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Weniger. Und Meer.

Der Februar neigt sich ganz langsam dem Ende zu. Was tut sich im Blauen Salon?

Ich arbeite in Stille vor mich hin und genieße diesen Zustand sehr. Die Bilder, die entstehen, sind sehr unterschiedlich, weil ich viel experimentiere, doch am wohlsten fühle ich mich gerade mit den schlichten Werken. Es sind Bilder, bei denen ich durchatme – beim Malen ebenso wie beim späteren Betrachten. Man kann regelrecht in sie hineintauchen und in ihnen umhergehen, weil sich Raum darin findet. Und immer wieder Anklänge ans Meer.

Eines dieser Bilder ist „Tranquillité I“. Und es ist momentan eines meiner Lieblinge, gemalt mit Öl auf Leinwand. Auf Fotografien werden die gespachtelten Strukturen (gerade in den weißen Bereichen) leider nicht gut sichtbar. Es ist auf struktureller Ebene wesentlich mehr los, als man anhand dieser Fotografie vermuten würde.

Jetzt  warte ich noch auf die Lieferung des passenden Schattenfugenrahmens. Ich bin sehr gespannt, wie sich das Bild durch die Rahmung noch in seiner Wirkung verändert. Für gewöhnlich werden die Bilder „erwachsener“, indem man sie in eine Schattenfuge setzt. Ich könnte mir vorstellen, dass dies auch bei „Tranquillité I“ so sein wird.

Tranquillité

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Atelierblick #1

Es ist Dezember und abseits des wundervollen Trubels um die Bildversteigerung zugunsten der Deutschen Stiftung Eierstockkrebs, die noch bis Dienstag läuft, ereignet sich im Blauen Salon auch sonst eine Menge. Ich arbeite intensiv an neuen Bildern. Interessant ist für mich, dass sich gerade ein sehr starkes Bedürfnis nach Schlichtheit einstellt. Wenn es so weitergeht, bleiben bald nur noch rein weiße, blaue oder schwarze Leinwände übrig …

Ich muss zugeben, dass mich diese puristische Arbeit unglaublich fasziniert und mir viel innere Ruhe schenkt. Ich nutze dazu viele Schichten mit Balsamterpentin verdünnte Ölfarbe, die gleichmäßig übereinander aufgetragen werden. Zwischen den einzelnen Schichten muss die Farbe immer wieder antrocknen, weshalb die Arbeit an den Bildern Wochen dauert. Etwas schneller geht es durch das Vermischen der Farbe mit Dammarharz, das ich gerade sehr zu lieben lerne. Zusätzlich verwende ich Kohle.

Es ist eine kleinteilige, sehr sanfte Arbeit, die ich momentan unglaublich genieße. Ich weiß noch nicht, wohin es mich damit führt, aber ich könnte mir vorstellen, in Zukunft noch viel mehr in dieser Richtung zu machen. Es gibt viele Bilder, die „lauter“ und „eindrucksvoller“ sind als diese, Bilder, die sofort viel mehr für sich einnehmen. Und doch sind mir diese schlichten Arbeiten ans Herz gewachsen – vielleicht, weil man sich nicht nur beim Malen selbst Zeit und Ruhe nehmen muss, sondern auch später beim Betrachten, damit sie aus der Stille heraus zu sprechen beginnen.

Hier ein paar Eindrücke von der „Silence“- Reihe.

Ich bin sehr neugierig, welche weiteren Arbeiten in nächster Zeit noch entstehen und jetzt schon gespannt, wie die Bilder später gerahmt wirken werden – ich werde da ein wenig mit hellen und dunklen Schattenfugenrahmen experimentieren.

  • In silence I
  • Your silence speaks I
  • Your silence speaks II
Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail