Posts in Category: Kreatitivät

Fragmente in Öl

Ich habe lange Zeit Bilder gemalt, bei denen es mir um ein möglichst harmonisches Zusammenspiel ging. Keine scharfen Kanten oder abrupten Übergänge, stattdessen ein fließendes Ineinanderfinden der Farben. Im Moment beschäftigt mich allerdings genau das Gegenteil: Kontraste, Schnitte, Abgrenzungen, Trennungen.

Eines der Bilder, die im Zuge dieser Zeit-und Seelenqualität entstanden sind, ist „What’s left?“. Ich habe es genossen, mich auf einem Quadratmeter Leinwand mit Ölfarben auszutoben, zu sehen, wie sich Schicht für Schicht in Spachteltechnik entwickelt und während des Malens große Dynamik quasi aus dem Nichts entsteht. Nun hängt das Bild bei mir an der Wand und erinnert mich an geborstene Eisschollen, an Vergissmeinnicht, an fragmentarische Träume und an arktische Kälte.

Woran lässt es dich denken?

What's left. 100x100x3

What’s left? Öl auf Leinwand. 100cmx100cmx3cm. ©Claire Marin, 2016.

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Das Blau von Paris

Ich habe länger keinen Blogeintrag geschrieben und das liegt vor allem daran, dass es recht wenig Neues zu berichten gibt. Im Blauen Salon entstehen gerade viele Skizzen und spontane Eingebungen, die aufs Papier fließen. Ich arbeite kaum an großen Bildern in Ölfarben, das Kleinformatige fasziniert mich gerade viel mehr. Das wird sich ganz bestimmt auch wieder ändern – wenn ich mich bei mir auf eines verlassen kann, dann auf den ewigen Wandel – aber für den Moment akzeptiere ich einfach das, was ist und lasse mich neugierig treiben.

Blau und Grün

Ich experimentiere mit Aquarellfarben, mit Tusche und Tinte, mit Kohle und Rötel und mit verschiedenen Papieren. Vieles davon sind Studien, die vor allem dazu dienen, mich mit den unterschiedlichen Materialien vertraut zu machen. Ich nutze viele Blau- und Grüntöne, Gelb kam mit hinzu, vor allem das satt pigmentierte Indischgelb hat es mir angetan.

Unter stillen Freunden

Mit zu den schönsten Entdeckungen seit langem zählt für mich aber das Pariser Blau. Mich fasziniert, wie es wirkt, wenn man es in unterschiedlich starker Verdünnung schichtet. Ich kann mich stundenlang damit beschäftigen. Eine sehr stille, konzentrierte und fast meditative Arbeit, die mir gerade viel gibt – neue, weite Gedanken und eine große innere Ruhe, wenn die Welt wieder einmal zu schnell und zu laut wird. Im Moment ist das Blau von Paris mein Anker.

Pariser Blau

 

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Weniger. Und Meer.

Der Februar neigt sich ganz langsam dem Ende zu. Was tut sich im Blauen Salon?

Ich arbeite in Stille vor mich hin und genieße diesen Zustand sehr. Die Bilder, die entstehen, sind sehr unterschiedlich, weil ich viel experimentiere, doch am wohlsten fühle ich mich gerade mit den schlichten Werken. Es sind Bilder, bei denen ich durchatme – beim Malen ebenso wie beim späteren Betrachten. Man kann regelrecht in sie hineintauchen und in ihnen umhergehen, weil sich Raum darin findet. Und immer wieder Anklänge ans Meer.

Eines dieser Bilder ist „Tranquillité I“. Und es ist momentan eines meiner Lieblinge, gemalt mit Öl auf Leinwand. Auf Fotografien werden die gespachtelten Strukturen (gerade in den weißen Bereichen) leider nicht gut sichtbar. Es ist auf struktureller Ebene wesentlich mehr los, als man anhand dieser Fotografie vermuten würde.

Jetzt  warte ich noch auf die Lieferung des passenden Schattenfugenrahmens. Ich bin sehr gespannt, wie sich das Bild durch die Rahmung noch in seiner Wirkung verändert. Für gewöhnlich werden die Bilder „erwachsener“, indem man sie in eine Schattenfuge setzt. Ich könnte mir vorstellen, dass dies auch bei „Tranquillité I“ so sein wird.

Tranquillité

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Das Meer ruft

In letzter Zeit kam mir das Meer oft in die Gedanken – und alles, was mich beschäftigt, findet gerne den Weg auf die Leinwand. Normalerweise male ich abstrakt, für das Meer mache ich aber gerne Ausnahmen. Hier zwei Bilder, die in den letzten Wochen entstanden sind: Öl auf Leinwand.

Ich habe die Bilder in schlichte Schattenfugenrahmen gesetzt, weil ich finde, dass sie so noch besser zur Geltung kommen. Und bei Interesse: Beide Bilder sind noch zu haben :-)

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Sea I. Oil on canvas. 40cm x 50cm. ©Claire Marin, 2016

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Sea II. Oil on canvas. 40cm x40cm. ©Claire Marin, 2016

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Künstlerpech. Oder: Es kommt anders als gedacht

Wer mir auf Twitter folgt, wunderte sich vielleicht über meine neuesten Beiträge. Da ist die Rede von Flugumbuchungen (nervenaufreibendster Art!) bei Air Berlin, von (hingegen erfreulich einfachen) Wohnungsstornierungen bei Airbnb und generell von jeder Menge Unklarheit und Hin und Her. Hintergrund all dieser Aufregung:

The Kiss. Öl auf Leinwand, 2016. ©Claire Marin Für April dieses Jahres war eine Ausstellung meiner Bilder in München geplant. Ich war selig, denn an einen so wundervollen Ort wie die Galerie im Geranienhaus des Schlosses Nymphenburg kommt man auch nicht alle Tage.

Über ein halbes Jahr arbeitete ich auf diese Ausstellung hin, entwickelte Konzepte, kreierte und verwarf Bilder, experimentierte und schwankte – wie das eben so ist – permanent zwischen kreativen Höhen und Tiefen. Ich hatte eine schöne, aber auch sehr anstrengende Zeit, die ich in ihrer Intensität nicht missen möchte, die mir aber auch einiges abverlangt hat. Es gab Tage, an denen ich am liebsten alles hingeschmissen hätte, weil mir keines meiner Bilder einer Ausstellung würdig erschien. Momente, in denen mir jeder Muskel wehtat, weil ich alles um mich herum vergessen und es einfach komplett übertrieben hatte (ja, Malen ist anstrengend!) Und es gab Nächte, in denen ich wild von der Ausstellung träumte, weil sie sich so sehr in meinem Unterbewusstsein festgesetzt hatte, dass ich nicht einmal nachts aufhören konnte, darüber nachzudenken.

Der Januar kam, alle Ölbilder trockneten friedlich vor sich hin, Flug und Wohnung waren gebucht und ich begann, mich wirklich auf die Zeit in München zu freuen. Schließlich ist das für mich nicht einfach nur irgendein Ort, sondern mein früheres Zuhause. Ich habe von 1998 bis 2005 in München studiert und war sehr gespannt darauf, meine alte Studentenstadt wiederzusehen.

Hatte? War?

Richtig. Vor Kurzem erreichte mich die Nachricht, dass das Geranienhaus leider baufällig ist und sofort saniert werden muss. Alle Ausstellungen wurden gestrichen. Punkt.

Es ist sehr interessant, wie viel eine an sich unspektakuläre Nachricht innerlich zum Einsturz bringen kann. Ich brauchte ungefähr zwei Tage, um mich von dieser Meldung zu erholen und wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Nein, das alles ist natürlich kein Weltuntergang – aber für mich fühlte es sich kurzzeitig so an. Und ja, man kann die Termine verschieben (genau das wird passieren – meine Ausstellung findet voraussichtlich im Mai 2017 statt) – aber alles Herzblut, das ich in die Bilder gesteckt hatte, all die monatelange Arbeit, all die Vorfreude auf die Ausstellung an diesem wundervollen Ort – all das löste sich plötzlich in Nichtigkeit auf.

Mai 2017 ist eine halbe Ewigkeit entfernt. Bis dahin wird sich mein künstlerischer Stil gewandelt haben, ich werde Anderes entdeckt, Neues ausprobiert haben und die Bilder des Jetzt werden dann wahrscheinlich nicht mehr in die Ausstellung passen. Das ist das Schöne an der Kunst – sie ist im besten Fall ebenso im Fluss wie der Mensch, der sie aus sich heraus entwickelt. Und das ist das Schlechte an der Kunst – man kann sie nicht konservieren und einfach in einem Jahr wieder ausgraben. Nicht, wenn man möchte, dass eine Ausstellung jeweils den aktuellen persönlichen Entwicklungsstand zeigt. Was weiß denn ich, was mich in einem Jahr beschäftigt? Was mich umtreibt und dann den Weg auf die Leinwand finden möchte?

Es wird dann um eine andere Ausstellung gehen, um einen anderen Ausgangspunkt – und in den meisten Fällen wohl um andere Bilder. Welche es sein werden? Ich weiß es nicht. Wohin die Reise geht? Keine Ahnung. Aber vorerst geht die Reise nicht nach München, die Bilder bleiben im Berliner Blauen Salon und ich atme durch und behalte im Hinterkopf die Vorfreude auf das, was sich weiterentwickeln darf. Denn das wird es ja ohnehin. Manchmal nur eben ganz anders als gedacht.

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Staffelei im Test – Wie „Irma“ sich im Atelier-Alltag schlägt

Vor einiger Zeit habe ich mir endlich eine Staffelei zugelegt. Ich habe damals viel recherchiert und überlegt, bis ich mich letztendlich entschieden hatte, denn ich wollte etwas Vernünftiges kaufen, an dem ich dann auch wirklich lange meine Freude habe. Hier geht es zum Blogbeitrag, in dem ich über meine Suche nach einer passenden Staffelei berichte.

Im Atelier von Claire Marin, 2015

Nach einigen Wochen mit „Irma“, wie ich sie getauft habe, kann ich nun sagen, dass ich den Kauf noch keine einzige Sekunde bereut habe. Das Arbeiten ist wunderbar und Irma schlägt sich wacker. Nichts wackelt, nichts quietscht und die Einstellungen lassen sich problemlos verändern. Sogar große Leinwände lassen sich bequem einspannen, was mir jetzt das mühselige Arbeiten auf dem Boden erspart. Ein echter Gewinn! Irma hat inzwischen schon einiges mitgemacht, da ich beim Malen ja auch nicht gerade vorsichtig bin, aber sie ist offenbar hart im Nehmen.

Ich kann diese Staffelei wirklich jedem empfehlen, der eine stabile Profilösung braucht, die sich trotzdem noch herumschieben lässt und zugleich auch noch hübsch aussieht. (Ja, es soll hübsch aussehen. Ich bin ein Mädchen und mag hübsche Dinge!) Weil meine Irma mich so begeistert und sie zudem gerade presigünstig zu bekommen ist, verlinke ich sie euch hier. Vielleicht ist das ja genau die Staffelei, die einige von euch für sich selbst gesucht haben. Ich zumindest möchte sie nicht mehr missen.

 

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Verstand contra Herz – Warum malen nicht gleich malen ist

Ich habe in letzter Zeit unglaublich viel an neuen Bildern gearbeitet – aus Gründen. Das kommende Frühjahr bringt eine Ausstellung, die für mich eine wirkliche Herausforderung ist. Ich freue mich darauf und werde beizeiten auch hier mehr darüber berichten – aber zugleich überfällt mich auch ein wenig Panik, wenn ich daran denke. Es gibt noch so viel zu tun und so vieles zu entscheiden: Welche Art von Bildern möchte ich präsentieren? Was ist mir wichtig? Wie nutze ich diese Chance am besten?

What are you waiting for? Oilpainting. Detail. Claire Marin 2015.

Ein internationales Publikum wird meine Arbeiten zu sehen bekommen und da ist es mit „Ich stelle einfach irgendwas aus“ eben nicht getan. Die Perfektionistin in mir möchte, dass die Ausstellung besonders wird und die dort gezeigten Arbeiten neugierig machen. Ich möchte Menschen für meine Bilder begeistern, ins Gespräch kommen, Neues erfahren und vor allem mit meiner Kunst ganz viel geben. Zugleich ist aber auch der innere Zweifler immer wieder an vorderster Front dabei. Er sagt: „Das ist albern! Du hast nicht mal Kunst studiert! Sie werden dich auslachen! Du hast jetzt schon verloren!“

Gemini I. Oil on canvas. Claire Marin 2015.

In diesem Zwischenreich von Vorfreude und Druck kann es sehr schwer sein, die nötige Leichtigkeit zu bewahren. Im Atelier passiert dann etwas sehr Interessantes. Wenn ich versuche, mit dem Verstand an die Erschaffung neuer Bilder für die Ausstellung zu gehen, dann blockiert etwas in mir. Ich habe ein Konzept, ich weiß wie ich es umsetzen muss, ich male – aber den Bildern fehlt die Seele. Sie sind hübsch anzusehen, teilweise technisch wirklich anspruchsvoll – aber das war es dann auch. Es fehlt der Funke, der sie besonders macht, die innere Stimme, das Glühen. Es ist, als würde man einen Kasten mit einer Sammlung toter Schmetterlinge ansehen – während man eigentlich darauf hofft, dass sie zu fliegen beginnen.

Sobald ich den Gedanken an die Ausstellung loslasse und mich frei mache von den Ansprüchen, die ich an mich selbst stelle, beginnt etwas zu Fließen. Die Bilder sind dann vielleicht nicht so ausgefeilt, nicht so gewitzt, nicht so „sophisticated“. Aber sie sind ehrlich. Sie kommen aus meinem Inneren.

Into the blue. Oil on canvas. Claire Marin, 2015

Meine Herausforderung der nächsten zwei Monate wird also sein, Bilder zu malen, in deren Farben mein Inneres leuchtet. Alles andere wäre sinnlos. Ich möchte keine toten Schmetterlinge ausstellen. Wie ich das meinem inneren Kritiker dauerhaft beibringe, wird sich noch zeigen. Heute aber zumindest schweigt er.

PS: In diesem Blogbeitrag sind übrigens nur Bilder zu sehen, bei denen der Funke während des Arbeitens übergesprungen ist. Ob diese dann den Weg in die Ausstellung finden, wird sich zeigen. Momentan ist noch alles in der Erkundung.

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Von der Erschütterung

Ich habe lange überlegt, ob ich zu den Anschlägen in Paris bloggen soll. Es ist so viel gesagt worden, überall – und irgendwie ist es immer zu wenig. Vielleicht gibt es keine passenden Worte für das, was geschehen ist und die angemessenste Reaktion wäre einfach ein Schweigen, in dem alle Betroffenheit und Trauer Raum finden kann.

Mich haben die Ereignisse sehr mitgenommen. Ich habe einen hübschen frankophilen Tick, das Land liegt mir am Herzen. Doch es ist egal, welche Stadt in welchem Land auch immer es trifft. Was dort geschehen ist, geschah nicht im Namen irgendeiner Religion, nicht im Namen irgendeines Gottes. Es geschah aus fanatischen Hirnen heraus, denen jegliche Menschlichkeit abhanden gekommen ist. Und es bleibt nur zu hoffen, dass nun nicht der allzu leichte Weg gegangen wird, Moslems in aller Welt zu verurteilen und mit radikalen Islamisten gleichzusetzen. Meine Hoffnung, dass wir um diese populistische Meinungsmache herumkommen, ist allerdings gering. Es wird Menschen geben, die diese Anschläge instrumentalisieren. Es wird aber auch Menschen geben, die sich solidarisch zeigen und in der Lage sind, über den Tellerrand zu blicken.

Zwischen dem Verfolgen der Nachrichten, den immer neuen grauenvollen Meldungen, der Angst vor den Entwicklungen in der Zukunft und der Fassungslosigkeit, die sich wie eine erstickende Haut über alles legte, flüchtete ich mich gestern ins Atelier. Wenn ich bisher eines in meinem Leben begriffen habe, dann dies: Jeder braucht etwas, das ihn in Zeiten, in denen er sich wie zersplittert fühlt, wieder zusammensetzt. Für mich ist es das Malen. Die Malerei hat mir bisher immer geholfen. Stets sortierte sie Gedanken und Gefühle, schob alles wieder an seinen Platz und ließ mich innerlich durchatmen, bis ich es auch im Außen wieder konnte.

Gestern war das zunächst anders. Ich stand vor der Staffelei, wünschte mir nichts mehr, als einfach abschalten zu können und zu sehen, wohin mich die Konzentration auf Farben und Formen bringen würde – doch es ging nicht. Was mir normalerweise leicht fällt – der Schritt in eine andere Welt, in einen Zustand, der Kreatives hervorbringt und so jedes noch so schwere Gefühl verarbeitet und verändert – war komplett blockiert. Ich fühlte mich betäubt und stumm, ich war übernächtigt, weil ich die halbe Nacht über die Nachrichten verfolgt hatte und kraftlos, weil mir die Anschläge für einen Moment wieder einmal den Glauben an das Gute in der Welt genommen hatten. Die leere Leinwand schien mich auszulachen. Was willst du hier? Was soll noch passieren, in einer solchen Welt? Kunst soll helfen? Dir? Anderen? Nichts wird helfen! Menschen sterben durch Anschläge, überall auf der Welt, immer und immer wieder! Und was du hier machst ist vollkommen unwichtig!

Und wenn schon. Dann ist es eben unwichtig! Für mich, jetzt, ist es aber wichtig! Ich begann ein Bild, verwarf es wieder, begann ein zweites, verwarf es ebenfalls. Jede Bewegung erschien schwer und der Fluss, der sich normalerweise bei mir schnell während der Arbeit einstellt, blieb aus. Aber ich machte weiter. Ich wollte diese Blockierung im Inneren loswerden und das Gefühl der Machtlosigkeit – und wenn es nur auf die bescheidene Art des Malens war. Am Ende gelang es tatsächlich. Zwei Bilder entstanden: Ein Segelboot, mit dem ich nicht gerechnet hatte und ein zweites Bild, das mir noch Rätsel aufgibt.Ich teile sie hier, weil sie meine stillen Begleiter am Tag nach den Anschlägen waren, durch die meine Gedanken und Gefühle sich wieder sortierten.

Stormy days, Claire Marin, 2015

Seltsam, eigentlich. Ich hatte damit gerechnet, dass andere Bilder entstehen würden. Bilder, die die Gewalt mehr spiegeln oder die Ängste, die Verzweiflung und die Hilflosigkeit. Stattdessen kam zuerst dieses Boot, das ich tröstlich finde. Und dann dieses zweite Bild, vor dem ich fragend stehe. Eine Landschaft? Blumen? Ein Schlachtfeld? Vielleicht.

Landscape. Claire Marin, 2015

Als ich später die Pinsel auswusch (bei Ölmalerei immer eine etwas ausufernde Tätigkeit) fühlte ich mich deutlich besser. Geerdet, konzentriert, in mir ruhend. Die Katastrophe war nach wie vor geschehen – aber das Malen hat mir einmal mehr eine Möglichkeit gegeben, mich zurückzuziehen und zu sortieren, bis ich wieder in die eigene Kraft kam. Ich wünsche jedem von euch einen solchen Anker, der euch hält, wenn es stürmisch wird. Nein, Malerei wird nicht die Welt verändern. Aber mir gibt sie die Möglichkeit, mit den Veränderungen dieser Welt besser umzugehen. Und für den Moment ist das viel.

Euch allen einen friedlichen Sonntag.

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Salongespräch mit einer Dame in Lila

In unregelmäßigen Abständen bekommt der Blaue Salon Besuch von befreundeten Künstlerinnen und Künstlern. Ich freue mich sehr, dass ich heute eine Freundin aus der Ukraine vorstellen darf, deren wunderbare Bilder mich immer wieder begeistern. Lasst euch überraschen im Salongespräch mit Lila Dame.

Stell dich bitte kurz vor – wo lebst du, was liebst du?

Lila DameIch bin Ukrainerin und lebe in der Stadt Lviv, wo ich Design studiere. In meiner Freizeit male ich, besuche Museen und Kunstausstellungen, ich gehe gerne wandern oder tausche mich mit meinen Freunden im In- und Ausland aus.

Seit wann malst du und wie bist du dazu gekommen?

Als ich 5 Jahre alt war, besuchte ich eine Kunstschule. Die ersten künstlerischen Materialien, mit denen ich zu arbeiten begann, waren Tusche, Aquarellfarben und Gouache. Ich malte damals auf Papier und auf Leinwand. Ich erinnere mich noch sehr gut an das erste Bild, das ich mit Tusche gemalt habe. Es war das Portrait einer ukrainischen Frau in Tracht mit vielen Blumen im Haar. Seit diesem Moment begleitet mich die Tuschemalerei. Neben der Malerei mache ich Applikationen, Origami und verschiedene Formen aus Holz und Lehm. Ich habe an vielen Kunstwettbewerben teilgenommen und war in dem Bereich auch sehr erfolgreich. Das hat mich sehr gefreut und den Wunsch geweckt, mich noch mehr ins Malen vertiefen.

Tusche, Aquarell

Tusche, Aquarell © Lila Dame

 

Mit meinen Bildern möchte ich Menschen zum Denken anregen und Erinnerungen auslösen. Außerdem fasziniert mich immer die Schönheit des Moments. Diesen möchte ich einfangen.

 

 

Gibt es Dinge, die dich in deiner Kunst blockieren? Wie gehst du damit um?

Ja, es gibt auch Blockaden. Wenn ich ein Bild beginne, kann es passieren, dass es mir im weiteren Malprozess nicht mehr gefällt. Manchmal ist es dann wirklich schwer, das Bild zu beenden. Ich muss dann meine Kraft und Konzentration zusammennehmen und trotzdem weiter malen. Es passiert auch, dass ich mit einem Ergebnis nicht zufrieden bin. Manchmal dauert es dann eine Weile und ich muss Zeit vergehen lassen, um später mit einem anderen Blick auf das Bild zu sehen.

 

Jeder Künstler arbeitet anders. Gibt es ein Medium, mit dem du besonders gerne malst? Warum?

Es gibt bei mir zwei besondere Medien. Wie ich schon erwähnt habe, ist das zum einen Tusche, zum anderen aber auch Ölfarbe. Mit Tusche male ich besonders gerne, weil ich die Effekte mag, die sie erzeugt. Die Bilder sehen einfach gut aus – selbst, wenn man sich einmal weniger Mühe gibt.

An Ölfarbe gefällt mir die Konsistenz, wie sie riecht und wie sie sich auf die Leinwand oder auf den Karton legt.

 

 

Was möchtest du in deinem Leben unbedingt noch tun? Wovon träumst du?

Ich möchte eine gute Designerin werden. Und ich träume von einem Studium im Ausland, das wäre spannend.

 

Du malst ja viel – nutzt du auch noch andere künstlerische Ausdrucksformen?

Ja, ich arbeite sehr gerne auch noch mit Grafik und Skulptur.

 

Oelfarben, Acryl, Origami

Ölfarben, Acryl, Origami. ©Lila Dame

 

Hast du Vorbilder? Wenn ja, welche? Und warum ausgerechnet diese?

Vorbilder habe ich nicht direkt, weil ich gerne meinen eigenen Stil schaffen möchte. Aber ich mag den Impressionismus sehr. Mir gefallen die Bilder vom Paul Cézanne, Claude Monet oder Paul Gauguin. Sie spielten so wunderschön mit Farben.

Es gibt auch einige ukrainische Künstler, die ich sehr mag: Oleksa Nowakiwskij (Олекса Новаківський) zum Beispiel. Seine Bilder sind sehr „lebendig“.

Karlo Swirynskyj (Карло Звіринський) ist auch ein genialer Künstler. Ich staune, welch‘ moderne Bilder er malte – und das in einer Zeit, als ukrainische Künstler von der Welt und jeder Information von außen isoliert wurden.

Kateryna Bilokur (Катерина Білокур) ist ein Genie, was das Malen von Blumen angeht. Übrigens wurde ihr Talent auch von Pablo Picasso bemerkt, was wirklich interessant ist.

Die Karpaten 2015, Oelfarben

Die Karpaten. 2015, Ölfarben. ©Lila Dame

 

Die Natur, Fotos und die Bilder von anderen Künstlern inspirieren mich.

Stillleben, Guasch

Stilleben, Gouache ©Lila Dame

Wenn du eine Zeitreise machen könntest – wo würden wir dich treffen? Mit wem?

Wenn ich eine Zeitreise machen könnte, würdet ihr mich in New York, im Jahr 1950, mitten im Bronx Zoo treffen. Dort würde ich bei Jacques (Jakiw) Hnizdovsky (Яків Гніздовський) sitzen und beobachten, wie er an einem seiner berühmten Holzschnitte von den Tieren arbeitet.


 

Gefallen euch die Arbeiten von der Lila Dame? Mehr von ihr findet ihr auf ihrem Twitteraccount. Sie verkauft ihre Bilder übrigens auch – scheut euch also nicht, sie anzuschreiben :-)

 

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Spielen mit Ölfarben / Playing with oil

Ich habe das Wochenende dafür genutzt, weiter mit Ölfarben herumzuspielen. Seitdem ich einen geruchlosen Terpentinerssatz entdeckt habe, macht das mir (und meinem Kopf) auch deutlich mehr Spaß! Ich habe mich also mit großer Begeisterung den kompletten Sonntag über im Atelier vergraben, um nach Herzenslust mit Farben zu spielen – was für ein Luxus … Bei dieser Gelegenheit fiel mir auf, dass die meisten Menschen im Erwachsenenalter gar nicht mehr spielen. Dabei ist es so wunderbar, sich ganz versunken auf etwas einzulassen und dabei alles um sich herum zu vergessen. Mir geht das beim Malen so. Es ist wie ein Kurzurlaub für die Seele.

Zurück zu dem, was während des Spielens entstand. Aus mir wird wahrscheinlich niemals eine Künstlerin, die sich stundenlang mit Landschafts – oder Portraitmalerei auseinandersetzen möchte. Dazu fehlt mir (zumindest im Moment) einfach die Geduld. Viel mehr fasziniert mich, mit Farbverläufen zu spielen und herumzuprobieren, was sich mit verschiedenen Viskositäten, Fließgeschwindigkeiten und -winkeln anstellen lässt. Schemenhafte Figuren finden sich in meinem Bildern allerdings immer wieder und das wird sich wahrscheinlich so schnell auch nicht ändern. Mich interessieren Andeutungen eben mehr als das Offensichtliche.

Eines der gestern entstandenen Bilder ist „I will wait“. Genutzt habe ich dafür Indischgelb, Kadmiumrot, gebranntes Siena und Titanweiß – Farbtöne also, die im Blauen Salon bisher nur selten zum Einsatz kamen, die mir aber extrem gut gefallen und in Zukunft sicher häufiger den Weg auf die Leinwand finden werden. Wie die Farbverläufe bei diesem Bild genau entstanden sind, bleibt allerdings mein kleines Geheimnis. Verraten kann ich nur: Es war deutlich anstrengender, als es aussieht :-)

I will wait. Oil on canvas. 50cm x 60cm. ©Claire Marin, 2015

I will wait. Oil on canvas. 50cm x 60cm. ©Claire Marin, 2015

 

Kannst du noch spielen? Dich voll und ganz in etwas verlieren und dabei Neues entdecken? Womit und auf welche Weise? Wenn du möchtest, lass mir einen Kommentar zu diesem Thema hier!


This weekend I played around with oil paints. Since I have discovered an odorless alternative für turpentine it’s even a lot more fun! So I buried myself in the studio the entire sunday to play with colors – what a luxury … On this occasion, I noticed that most people in adulthood stop to play. That’s a pity because it’s so wonderful to be completely absorbed and forget everything around you. Painting, for me, feels like this. It’s like a short vacation for the soul.

Back to the results … I will never become an artist doing landscapes or portraiture. For this purpose, I am (at least for now) not patient enough. I am much more fascinated by playing with color and find out what can be explored with different viscosities, flow rates and angles. Shadowy figures can be found in my pictures, however, again and again and that will probably never change. I’m interested in hints more than in the obvious.

One of yesterdays paintings is „I will wait“. I have used indian yellow, cadmium red, burnt siena and titanium white – shades that I rarely use, but like. I think I will need them more often in future. How this painting was done exactly remains my little secret. I can only tell: It was significantly more exhausting than it looks :-)

 

 

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