Posts in Category: Gedanken

Die Bedeutung der Gefühle, oder – Warum Bilder so viel mehr als nur ihre Oberfläche sind

Seien wir ehrlich: Bilder malen ist eine Sache – Bilder verkaufen eine ganz andere. Wer diesem Blog (oder meinem Twitter Account) schon länger folgt, der weiß: Ich male meine Bilder nicht nur für mich, zum Selbstausdruck, zur Aufarbeitung oder zur Darstellung dessen, was mich bewegt – sondern auch, um anderen damit eine Freude zu machen. Um Gedanken zum wandern zu bringen, Träume zu wecken, Stimmung in Räumen und in Herzen zu erschaffen. Und wann immer ein Bild ein neues Zuhause findet, ist das für mich ein wundervolles Gefühl. Es zeigt mir, dass meine Werke auch andere Menschen berühren und über mein stilles Atelier hinaus ihre Wirkung auf die Welt entfalten.

Interessanterweise geht es so gut wie nie um die Motive, die ein Bild zeigt. Das, was Menschen dazu bringt, sich in ein Bild zu verlieben, ist immer das Gefühl, das in ihnen ausgelöst wird, wenn sie es betrachten. Bilder sind ohne Zweifel mächtige Emotionsträger – und Menschen, die sich mit Bildern umgeben, teilen dieses Gefühl gerne mit ihrer Umwelt. Von allen Bildern, die aus dem Blauen Salon heraus bisher neue Besitzer fanden, waren es immer die Emotionalen, die Ausufernden, die Inspirierenden, die zu Träumen Anregenden. Selbst, wenn die Bilder puristisch waren, knapp, bewusst reduziert; es lag immer eine große Gefühlstiefe in ihnen. Und die kam bei den Betrachtern an und wirkte in ihnen weiter. Erstaunlich? Nein. Absolut menschlich, denke ich.

Ich mag den Gedanken sehr, dass es stets die emotionalen Bilder sind, die Freunde und Liebhaber finden – nicht zuletzt, weil ich selbst sehr emotional und liebevoll an die Arbeit herangehe. Ich male wenig kopflastig (das bin ich im restlichen Leben genug, herzlichen Dank!) und folge stattdessen meist den spontanen Gefühlen, die während des Malens entstehen. Für mich steht der Ausdruck von Emotion und Atmosphäre immer im Mittelpunkt. Es geht um Stille, um Weite, um Transparenz und um die Einflüsse, die das Unterbewusstsein auf uns ausübt. Malen ist für mich oft mit einer Meditation vergleichbar. Ich verschwinde während der Arbeit in der entspannten Konzentration. Es geht nur noch um Farben, um Linien, um Schichten – und um die Gefühle, die sie vermitteln, wenn sie sich in einem Bild verbinden.

Für Menschen, die meine Bilder betrachten, entstehen dann wiederum ganz eigene Welten. Sie bringen ihre Erfahrungen, Erinnerungen, Erwartungen mit ein – und diese mischen sich mit meinen zu einem neuen Ganzen. Was könnte schöner sein, als jemanden auf diese Weise im Innersten zu berühren? Mir fällt nur wenig ein.

Eines meiner momentanen emotionalen Lieblingsbilder ist „Mermaid’s laughter“. Es war lange Zeit eines der Sorgenkinder. Insgesamt hatte ich es fast ein Jahr in halbfertigem Zustand im Atelier stehen und wir wurden nicht recht glücklich miteinander. Immer wieder habe ich verändert, neue Schichten übereinandergelegt, mit Strukturen experimentiert. Nach und nach entwickelte es sein Innenleben und seine Ausstrahlung, setzte sich zusammen wie ein Puzzle aus Gefühlen. Bis es schließlich stimmig war und wir beide uns lächelnd zunicken konnten. Angekommen.

Mermaid's laughter. Oil on canvas. © Claire Marin, 2016

Mermaids laughter. Öl auf Leinwand, 70cm x 90cm. ©Claire Marin, 2016

Heute konnte ich das Bild (nachdem die Ölfarbe eben ihre Zeit zum Trocknen brauchte) endlich rahmen – und wie immer, wenn ich ein Bild in einen passenden Rahmen setze, wandelte sich die Wirkung.

„Mermaid’s laughter“ ist eines der Bilder, die durch den Rahmen erwachsener und noch ausdrucksstärker werden; selbst, wenn es sich – wie in diesem Fall – nur um einen sehr schmalen, weißen Schattenfugenrahmen handelt, der eher Raum gibt als Begrenzung. Das Bild hängt nun an der Wand des Blauen Salons. Und es bringt das Meer zu mir.

Mermaids laughter. Oil on canvas. © Claire Marin, 2016

Mermaid’s laughter. Öl auf Leinwand, 70cm x 90cm. ©Claire Marin, 2016

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Das Blau von Paris

Ich habe länger keinen Blogeintrag geschrieben und das liegt vor allem daran, dass es recht wenig Neues zu berichten gibt. Im Blauen Salon entstehen gerade viele Skizzen und spontane Eingebungen, die aufs Papier fließen. Ich arbeite kaum an großen Bildern in Ölfarben, das Kleinformatige fasziniert mich gerade viel mehr. Das wird sich ganz bestimmt auch wieder ändern – wenn ich mich bei mir auf eines verlassen kann, dann auf den ewigen Wandel – aber für den Moment akzeptiere ich einfach das, was ist und lasse mich neugierig treiben.

Blau und Grün

Ich experimentiere mit Aquarellfarben, mit Tusche und Tinte, mit Kohle und Rötel und mit verschiedenen Papieren. Vieles davon sind Studien, die vor allem dazu dienen, mich mit den unterschiedlichen Materialien vertraut zu machen. Ich nutze viele Blau- und Grüntöne, Gelb kam mit hinzu, vor allem das satt pigmentierte Indischgelb hat es mir angetan.

Unter stillen Freunden

Mit zu den schönsten Entdeckungen seit langem zählt für mich aber das Pariser Blau. Mich fasziniert, wie es wirkt, wenn man es in unterschiedlich starker Verdünnung schichtet. Ich kann mich stundenlang damit beschäftigen. Eine sehr stille, konzentrierte und fast meditative Arbeit, die mir gerade viel gibt – neue, weite Gedanken und eine große innere Ruhe, wenn die Welt wieder einmal zu schnell und zu laut wird. Im Moment ist das Blau von Paris mein Anker.

Pariser Blau

 

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Künstlerpech. Oder: Es kommt anders als gedacht

Wer mir auf Twitter folgt, wunderte sich vielleicht über meine neuesten Beiträge. Da ist die Rede von Flugumbuchungen (nervenaufreibendster Art!) bei Air Berlin, von (hingegen erfreulich einfachen) Wohnungsstornierungen bei Airbnb und generell von jeder Menge Unklarheit und Hin und Her. Hintergrund all dieser Aufregung:

The Kiss. Öl auf Leinwand, 2016. ©Claire Marin Für April dieses Jahres war eine Ausstellung meiner Bilder in München geplant. Ich war selig, denn an einen so wundervollen Ort wie die Galerie im Geranienhaus des Schlosses Nymphenburg kommt man auch nicht alle Tage.

Über ein halbes Jahr arbeitete ich auf diese Ausstellung hin, entwickelte Konzepte, kreierte und verwarf Bilder, experimentierte und schwankte – wie das eben so ist – permanent zwischen kreativen Höhen und Tiefen. Ich hatte eine schöne, aber auch sehr anstrengende Zeit, die ich in ihrer Intensität nicht missen möchte, die mir aber auch einiges abverlangt hat. Es gab Tage, an denen ich am liebsten alles hingeschmissen hätte, weil mir keines meiner Bilder einer Ausstellung würdig erschien. Momente, in denen mir jeder Muskel wehtat, weil ich alles um mich herum vergessen und es einfach komplett übertrieben hatte (ja, Malen ist anstrengend!) Und es gab Nächte, in denen ich wild von der Ausstellung träumte, weil sie sich so sehr in meinem Unterbewusstsein festgesetzt hatte, dass ich nicht einmal nachts aufhören konnte, darüber nachzudenken.

Der Januar kam, alle Ölbilder trockneten friedlich vor sich hin, Flug und Wohnung waren gebucht und ich begann, mich wirklich auf die Zeit in München zu freuen. Schließlich ist das für mich nicht einfach nur irgendein Ort, sondern mein früheres Zuhause. Ich habe von 1998 bis 2005 in München studiert und war sehr gespannt darauf, meine alte Studentenstadt wiederzusehen.

Hatte? War?

Richtig. Vor Kurzem erreichte mich die Nachricht, dass das Geranienhaus leider baufällig ist und sofort saniert werden muss. Alle Ausstellungen wurden gestrichen. Punkt.

Es ist sehr interessant, wie viel eine an sich unspektakuläre Nachricht innerlich zum Einsturz bringen kann. Ich brauchte ungefähr zwei Tage, um mich von dieser Meldung zu erholen und wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Nein, das alles ist natürlich kein Weltuntergang – aber für mich fühlte es sich kurzzeitig so an. Und ja, man kann die Termine verschieben (genau das wird passieren – meine Ausstellung findet voraussichtlich im Mai 2017 statt) – aber alles Herzblut, das ich in die Bilder gesteckt hatte, all die monatelange Arbeit, all die Vorfreude auf die Ausstellung an diesem wundervollen Ort – all das löste sich plötzlich in Nichtigkeit auf.

Mai 2017 ist eine halbe Ewigkeit entfernt. Bis dahin wird sich mein künstlerischer Stil gewandelt haben, ich werde Anderes entdeckt, Neues ausprobiert haben und die Bilder des Jetzt werden dann wahrscheinlich nicht mehr in die Ausstellung passen. Das ist das Schöne an der Kunst – sie ist im besten Fall ebenso im Fluss wie der Mensch, der sie aus sich heraus entwickelt. Und das ist das Schlechte an der Kunst – man kann sie nicht konservieren und einfach in einem Jahr wieder ausgraben. Nicht, wenn man möchte, dass eine Ausstellung jeweils den aktuellen persönlichen Entwicklungsstand zeigt. Was weiß denn ich, was mich in einem Jahr beschäftigt? Was mich umtreibt und dann den Weg auf die Leinwand finden möchte?

Es wird dann um eine andere Ausstellung gehen, um einen anderen Ausgangspunkt – und in den meisten Fällen wohl um andere Bilder. Welche es sein werden? Ich weiß es nicht. Wohin die Reise geht? Keine Ahnung. Aber vorerst geht die Reise nicht nach München, die Bilder bleiben im Berliner Blauen Salon und ich atme durch und behalte im Hinterkopf die Vorfreude auf das, was sich weiterentwickeln darf. Denn das wird es ja ohnehin. Manchmal nur eben ganz anders als gedacht.

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Welch‘ überwältigende Resonanz – danke!

Blue & GoldGestern Abend endete die Versteigerung von „Blue & Gold“. Ich hatte das kleine Ölbild auf Twitter angeboten und der Erlös geht nun als Spende an die Deutsche Stiftung Eierstockkrebs. (Mehr zu den Hintergründen der Aktion gibt es hier.)

Mein Fazit? Für mich waren es spannende und sehr erfüllende Tage und ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich! Jetzt macht sich „Blue & Gold“ auf den Weg zu seiner wundervollen neuen Besitzerin, bei der es einen schönen Platz bekommen wird.

Ich freue mich wahnsinnig über die 380,- Euro, die durch das Bild für die Stiftung zusammenkamen – aber noch mehr hat mich die unglaubliche Unterstützung auf Twitter begeistert. Es gab so viele Herzchen und Retweets, so viel Anteilnahme und ehrliche Resonanz und mich erreichten so viele wunderbar herzliche Nachrichten, dass ich noch immer über das ganze Gesicht strahle.

Mir hat all das wieder einmal gezeigt, dass ein soziales Netzwerk so viel mehr sein kann als einfach nur eine Plattform des oberflächlichen Austauschs. Dort finden sich Menschen, die sich gemeinsam für eine Sache engagieren un20151024_131436d ihre Unterstützung anbieten – eine beglückende Erfahrung.

Das Spendengeld zu sammeln war eine Sache – den Fokus (und wenn es auch nur für einen Moment ist) auf das Thema Eierstockkrebs zu lenken, war mir mindestens ebenso wichtig. Ich bin sehr froh, dass ich diese Idee in die Tat umgesetzt habe. Und wer weiß – vielleicht war es für den Blauen Salon nicht die letzte Aktion dieser Art.

Danke nochmal an alle, die mitgemacht und sich eingebracht haben! Ihr seid umwerfend. Und ich bin mir sicher, dass auch meine Mom – wo immer sie nun sein mag – jetzt lächelnd „Danke“ sagt. Es hätte sie begeistert, wie stark ihr euch engagiert habt.

Von Herzen

*Claire

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Atelierblick #1

Es ist Dezember und abseits des wundervollen Trubels um die Bildversteigerung zugunsten der Deutschen Stiftung Eierstockkrebs, die noch bis Dienstag läuft, ereignet sich im Blauen Salon auch sonst eine Menge. Ich arbeite intensiv an neuen Bildern. Interessant ist für mich, dass sich gerade ein sehr starkes Bedürfnis nach Schlichtheit einstellt. Wenn es so weitergeht, bleiben bald nur noch rein weiße, blaue oder schwarze Leinwände übrig …

Ich muss zugeben, dass mich diese puristische Arbeit unglaublich fasziniert und mir viel innere Ruhe schenkt. Ich nutze dazu viele Schichten mit Balsamterpentin verdünnte Ölfarbe, die gleichmäßig übereinander aufgetragen werden. Zwischen den einzelnen Schichten muss die Farbe immer wieder antrocknen, weshalb die Arbeit an den Bildern Wochen dauert. Etwas schneller geht es durch das Vermischen der Farbe mit Dammarharz, das ich gerade sehr zu lieben lerne. Zusätzlich verwende ich Kohle.

Es ist eine kleinteilige, sehr sanfte Arbeit, die ich momentan unglaublich genieße. Ich weiß noch nicht, wohin es mich damit führt, aber ich könnte mir vorstellen, in Zukunft noch viel mehr in dieser Richtung zu machen. Es gibt viele Bilder, die „lauter“ und „eindrucksvoller“ sind als diese, Bilder, die sofort viel mehr für sich einnehmen. Und doch sind mir diese schlichten Arbeiten ans Herz gewachsen – vielleicht, weil man sich nicht nur beim Malen selbst Zeit und Ruhe nehmen muss, sondern auch später beim Betrachten, damit sie aus der Stille heraus zu sprechen beginnen.

Hier ein paar Eindrücke von der „Silence“- Reihe.

Ich bin sehr neugierig, welche weiteren Arbeiten in nächster Zeit noch entstehen und jetzt schon gespannt, wie die Bilder später gerahmt wirken werden – ich werde da ein wenig mit hellen und dunklen Schattenfugenrahmen experimentieren.

  • In silence I
  • Your silence speaks I
  • Your silence speaks II
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Von der Schönheit der sozialen Netzwerke

ClaireWow … Was für ein fulminanter Start!

Als ich gestern den Blogpost zur Versteigerung meines Bildes „Blue & Gold“ schrieb, hatte ich absolut keine Ahnung, was aus der Sache werden würde. Ich wollte mir auch nicht allzu große Hoffnungen machen, denn das Thema Eierstockkrebs ist zugegeben sehr speziell und es hätte durchaus sein können, dass sich absolut niemand dafür interessiert. Für mich ist das Thema wichtig – aber das bedeutet natürlich nicht, dass es auch anderen so gehen muss. Dennoch wollte ich diese Aktion – die Versteigerung eines meiner Bilder, um den Erlös dann an die Deutsche Stiftung Eierstockkrebs zu spenden – endlich in die Tat umsetzen. Beschäftigt hat mich diese Idee schon seit Monaten. (Wer dieses Projekt bisher nicht mitbekommen hat, über den Link oben kommt ihr zum ursprünglichen Blogbeitrag).

Tja, was soll ich sagen – ich stellte die Aktion auf Twitter vor und dann ging alles rasend schnell. Mir wurde zwischenzeitlich fast ein wenig schwindelig vor Freude! Nach 2 Stunden standen wir bereits bei einem Gebot von 300,- Euro für das Bild – und die Versteigerung läuft ja noch einige Tage.

Ich bin sehr dankbar für die unglaubliche Unterstützung, die diese Aktion auf Twitter erfahren hat. Es gab jede Menge Retweets und Sternchen (Oh, pardon – es sind ja inzwischen Herzchen … daran gewöhne ich mich wohl nie …) und jeder einzelne hat mit seiner Anteilnahme dazu beigetragen, das Thema Eierstockkrebs etwas mehr in den Fokus zu rücken. Danke dafür – und für die begeisterten Kommentare zum Bild, die mir von so vielen geschickt wurden. Es freut mich wahnsinnig, dass meine Kunst euch gefällt und dass ich auf diese Weise das Leben ein klein wenig schöner machen kann.

Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Aktion in den kommenden Tagen noch entwickelt – aber ihr seht jetzt schon eine sehr, sehr glückliche Claire! Danke für eure Unterstützung, eure Anregungen, eure Gebote für das Bild – und vor allem danke, dass ihr da seid und Twitter zu einem so lebendigen und wundervoll herzlichen Ort macht!

Ich wünsche euch allen einen zauberhaften, erfüllten und liebevollen Tag.

*Claire

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Verstand contra Herz – Warum malen nicht gleich malen ist

Ich habe in letzter Zeit unglaublich viel an neuen Bildern gearbeitet – aus Gründen. Das kommende Frühjahr bringt eine Ausstellung, die für mich eine wirkliche Herausforderung ist. Ich freue mich darauf und werde beizeiten auch hier mehr darüber berichten – aber zugleich überfällt mich auch ein wenig Panik, wenn ich daran denke. Es gibt noch so viel zu tun und so vieles zu entscheiden: Welche Art von Bildern möchte ich präsentieren? Was ist mir wichtig? Wie nutze ich diese Chance am besten?

What are you waiting for? Oilpainting. Detail. Claire Marin 2015.

Ein internationales Publikum wird meine Arbeiten zu sehen bekommen und da ist es mit „Ich stelle einfach irgendwas aus“ eben nicht getan. Die Perfektionistin in mir möchte, dass die Ausstellung besonders wird und die dort gezeigten Arbeiten neugierig machen. Ich möchte Menschen für meine Bilder begeistern, ins Gespräch kommen, Neues erfahren und vor allem mit meiner Kunst ganz viel geben. Zugleich ist aber auch der innere Zweifler immer wieder an vorderster Front dabei. Er sagt: „Das ist albern! Du hast nicht mal Kunst studiert! Sie werden dich auslachen! Du hast jetzt schon verloren!“

Gemini I. Oil on canvas. Claire Marin 2015.

In diesem Zwischenreich von Vorfreude und Druck kann es sehr schwer sein, die nötige Leichtigkeit zu bewahren. Im Atelier passiert dann etwas sehr Interessantes. Wenn ich versuche, mit dem Verstand an die Erschaffung neuer Bilder für die Ausstellung zu gehen, dann blockiert etwas in mir. Ich habe ein Konzept, ich weiß wie ich es umsetzen muss, ich male – aber den Bildern fehlt die Seele. Sie sind hübsch anzusehen, teilweise technisch wirklich anspruchsvoll – aber das war es dann auch. Es fehlt der Funke, der sie besonders macht, die innere Stimme, das Glühen. Es ist, als würde man einen Kasten mit einer Sammlung toter Schmetterlinge ansehen – während man eigentlich darauf hofft, dass sie zu fliegen beginnen.

Sobald ich den Gedanken an die Ausstellung loslasse und mich frei mache von den Ansprüchen, die ich an mich selbst stelle, beginnt etwas zu Fließen. Die Bilder sind dann vielleicht nicht so ausgefeilt, nicht so gewitzt, nicht so „sophisticated“. Aber sie sind ehrlich. Sie kommen aus meinem Inneren.

Into the blue. Oil on canvas. Claire Marin, 2015

Meine Herausforderung der nächsten zwei Monate wird also sein, Bilder zu malen, in deren Farben mein Inneres leuchtet. Alles andere wäre sinnlos. Ich möchte keine toten Schmetterlinge ausstellen. Wie ich das meinem inneren Kritiker dauerhaft beibringe, wird sich noch zeigen. Heute aber zumindest schweigt er.

PS: In diesem Blogbeitrag sind übrigens nur Bilder zu sehen, bei denen der Funke während des Arbeitens übergesprungen ist. Ob diese dann den Weg in die Ausstellung finden, wird sich zeigen. Momentan ist noch alles in der Erkundung.

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Von der Erschütterung

Ich habe lange überlegt, ob ich zu den Anschlägen in Paris bloggen soll. Es ist so viel gesagt worden, überall – und irgendwie ist es immer zu wenig. Vielleicht gibt es keine passenden Worte für das, was geschehen ist und die angemessenste Reaktion wäre einfach ein Schweigen, in dem alle Betroffenheit und Trauer Raum finden kann.

Mich haben die Ereignisse sehr mitgenommen. Ich habe einen hübschen frankophilen Tick, das Land liegt mir am Herzen. Doch es ist egal, welche Stadt in welchem Land auch immer es trifft. Was dort geschehen ist, geschah nicht im Namen irgendeiner Religion, nicht im Namen irgendeines Gottes. Es geschah aus fanatischen Hirnen heraus, denen jegliche Menschlichkeit abhanden gekommen ist. Und es bleibt nur zu hoffen, dass nun nicht der allzu leichte Weg gegangen wird, Moslems in aller Welt zu verurteilen und mit radikalen Islamisten gleichzusetzen. Meine Hoffnung, dass wir um diese populistische Meinungsmache herumkommen, ist allerdings gering. Es wird Menschen geben, die diese Anschläge instrumentalisieren. Es wird aber auch Menschen geben, die sich solidarisch zeigen und in der Lage sind, über den Tellerrand zu blicken.

Zwischen dem Verfolgen der Nachrichten, den immer neuen grauenvollen Meldungen, der Angst vor den Entwicklungen in der Zukunft und der Fassungslosigkeit, die sich wie eine erstickende Haut über alles legte, flüchtete ich mich gestern ins Atelier. Wenn ich bisher eines in meinem Leben begriffen habe, dann dies: Jeder braucht etwas, das ihn in Zeiten, in denen er sich wie zersplittert fühlt, wieder zusammensetzt. Für mich ist es das Malen. Die Malerei hat mir bisher immer geholfen. Stets sortierte sie Gedanken und Gefühle, schob alles wieder an seinen Platz und ließ mich innerlich durchatmen, bis ich es auch im Außen wieder konnte.

Gestern war das zunächst anders. Ich stand vor der Staffelei, wünschte mir nichts mehr, als einfach abschalten zu können und zu sehen, wohin mich die Konzentration auf Farben und Formen bringen würde – doch es ging nicht. Was mir normalerweise leicht fällt – der Schritt in eine andere Welt, in einen Zustand, der Kreatives hervorbringt und so jedes noch so schwere Gefühl verarbeitet und verändert – war komplett blockiert. Ich fühlte mich betäubt und stumm, ich war übernächtigt, weil ich die halbe Nacht über die Nachrichten verfolgt hatte und kraftlos, weil mir die Anschläge für einen Moment wieder einmal den Glauben an das Gute in der Welt genommen hatten. Die leere Leinwand schien mich auszulachen. Was willst du hier? Was soll noch passieren, in einer solchen Welt? Kunst soll helfen? Dir? Anderen? Nichts wird helfen! Menschen sterben durch Anschläge, überall auf der Welt, immer und immer wieder! Und was du hier machst ist vollkommen unwichtig!

Und wenn schon. Dann ist es eben unwichtig! Für mich, jetzt, ist es aber wichtig! Ich begann ein Bild, verwarf es wieder, begann ein zweites, verwarf es ebenfalls. Jede Bewegung erschien schwer und der Fluss, der sich normalerweise bei mir schnell während der Arbeit einstellt, blieb aus. Aber ich machte weiter. Ich wollte diese Blockierung im Inneren loswerden und das Gefühl der Machtlosigkeit – und wenn es nur auf die bescheidene Art des Malens war. Am Ende gelang es tatsächlich. Zwei Bilder entstanden: Ein Segelboot, mit dem ich nicht gerechnet hatte und ein zweites Bild, das mir noch Rätsel aufgibt.Ich teile sie hier, weil sie meine stillen Begleiter am Tag nach den Anschlägen waren, durch die meine Gedanken und Gefühle sich wieder sortierten.

Stormy days, Claire Marin, 2015

Seltsam, eigentlich. Ich hatte damit gerechnet, dass andere Bilder entstehen würden. Bilder, die die Gewalt mehr spiegeln oder die Ängste, die Verzweiflung und die Hilflosigkeit. Stattdessen kam zuerst dieses Boot, das ich tröstlich finde. Und dann dieses zweite Bild, vor dem ich fragend stehe. Eine Landschaft? Blumen? Ein Schlachtfeld? Vielleicht.

Landscape. Claire Marin, 2015

Als ich später die Pinsel auswusch (bei Ölmalerei immer eine etwas ausufernde Tätigkeit) fühlte ich mich deutlich besser. Geerdet, konzentriert, in mir ruhend. Die Katastrophe war nach wie vor geschehen – aber das Malen hat mir einmal mehr eine Möglichkeit gegeben, mich zurückzuziehen und zu sortieren, bis ich wieder in die eigene Kraft kam. Ich wünsche jedem von euch einen solchen Anker, der euch hält, wenn es stürmisch wird. Nein, Malerei wird nicht die Welt verändern. Aber mir gibt sie die Möglichkeit, mit den Veränderungen dieser Welt besser umzugehen. Und für den Moment ist das viel.

Euch allen einen friedlichen Sonntag.

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Vom Umgang mit den Zweifeln

Ich bin von Geburt an eine wahre Königin der Zweifel. Ach was – eine Kaiserin. Mit der größten Funkelglitzerzweifelkrone, die in diesem Universum erhältlich war. Was auch immer jemand an meiner Kunst oder meinen Büchern kritisiert – es kann davon ausgegangen werden, dass ich diese Kritik vorher selbst gegen mich angebracht habe … Und im Zuge dessen zu stellenweise vernichtenden Urteilen kam. Da fragt man sich doch, warum ich trotzdem weitermache, oder? Was treibt einen an? Welche Kraft steckt dahinter? Wieso tut man sich das an, wenn man es doch so viel leichter haben könnte?

Weil Kreativität stärker ist. Sie gewinnt immer. Man muss sie nur lassen … (Das Bild links ist übrigens der aktuellste Beweis für wildgewordene Zweifel. Es zeigte einmal einen Nachtgarten mit weißen Blüten. Diese Blüten waren aber – so zumindest mein innerer Zweifler – absolut nicht gut genug. Auch nicht nach dem fünften Versuch. Und so sieht man hier eine Leinwand, die darauf wartet, dass mein in Bezug auf weiße Blüten angeknackstes Kompetenzgefühl sich wieder aus der Reserve wagt …)

Entwurf ...Zweifeln ist eine ebenso wertvolle wie lästige Angewohnheit – es kommt schlicht und einfach darauf an, wie man damit umgeht. Zweifler reflektieren mehr, sind offen für Weiterentwicklung, lernen ständig dazu. Menschen ohne jeden Zweifel hingegen sind (meiner Meinung nach) absolut unerträglich. Ohne Zweifel erfolgt kein Fortschritt, kein Wagnis, kein Sich-Selbst-Herausfordern. Man ist sich mit dem, was man kann und von sich hält, mehr als genug. Warum sollte dann noch Neues entstehen? Was sollte sich entwickeln? Trotzdem ist das kein Freibrief für hemmungsloses Zweifeln. Zweifel lähmen, wo doch eigentlich etwas vorangehen sollte. Zweifel blockieren Schönheit, Freiheit, Expansion. Und Zweifel untergraben systematisch Selbstwert, wenn man ihnen zu viel Auslauf gewährt.

Ich habe mir angewöhnt, meine Zweifel als Anlass zu sehen, stets noch ein wenig besser zu werden als zuvor. Das gelingt nicht immer, aber die Haltung zählt. Für produktive Kritik bin ich dankbar und gegen Kritik unterhalb der Gürtellinie gab mir ein weiser Mensch einmal einen sehr hilfreichen Hinweis: „Nimm nur Kritik von jemandem an, der es auf dem Gebiet, in dem er dich kritisiert, zu mehr gebracht hat als du selbst.“

Ja. Es kann so einfach sein. Übrigens unterziehe ich auch meine Zweifel inzwischen dieser Feuerprobe. Und solange diese Zweifel nicht überzeugendere Bücher schreiben und ausdrucksvollere Bilder malen als ich selbst, erlaube ich uns höchstens einen Disput auf Augenhöhe. Während ich weiter daran arbeite, besser zu werden. Momentan im weiten Feld weißer Blüten …

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Ein kalter Regentag. Ein stilles Inneres. Ein Blumenbild aus der Nacht.

Heute war der erste kalte Regentag dieses Herbstes. Während triste Bindfäden vom Berliner Himmel fielen und in meiner Küche eine Chet Baker-Platte lief, saß ich gegen Mittag mit einer Tasse Jasmintee am Fenster und überlegte, wie ich diesen Mittwoch am besten nutzen könnte.

Für mich ist Regen ein Geschenk. Er lässt die Stadt still werden und verschleiert die Dringlichkeit der alltäglichen Dinge. Bei Regen werde ich innerlich absolut ruhig. Das hat definitiv auch Auswirkungen auf die Bilder, die an solchen Tagen entstehen. Heute war es ein Acrylbild mit einem Blumenmotiv, das ich seit letzter Nacht im Kopf hatte. Die Serie über die nächtlichen Gärten beschäftigt mich und so ist wohl auch zu erklären, dass ich in der vergangenen Nacht träumend in einen solchen verwilderten Garten hineingeriet.

Ich habe versucht, die Eindrücke des Traumes in diesem Bild einzufangen und es während des Malens wirklich genossen, mit den dunklen, satten Farben zu spielen. Wieder einmal bestätigt sich für mich, dass Bilder aus allen möglichen Inspirationsquellen schöpfen. In diesem Fall war es eben ein Traum, in dem Pfingstrosen eine Rolle spielten.

Blumen gehören eigentlich nicht zu meinem bevorzugten Repertoire, aber mir hat das heute eine große innere Freude bereitet. Das Bild entstand (wie so oft bei mir) mit dem Malmesser. Ich mag die rasche Art, in der man damit arbeiten kann, das flächige Ausbreiten und die mehr oder weniger groben Strukturen, die dynamisch im Bild entstehen. Und ich bin wirklich sehr gespannt, wohin mich die Reise mit dieser Nachtgartenserie noch führt. Vielleicht verrät ja einer der nächsten Träume mehr …

Peonies at night. Acryl auf Leinwand. 50cm x 50cm. © Claire Marin, 2015.

Peonies at night. Acryl auf Leinwand. 50cm x 50cm. © Claire Marin, 2015.

 

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